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Personen der Zivilprozessrechtsgeschichte in Hannover

Gottlieb Wilhelm Freudentheil

Gottlieb Wilhelm Freudentheil wurde am 24.09.1792 in Stade geboren. Nach Abschluss seiner rechtswissenschaftlichen, philosophischen und historischen Studien in Göttingen kehrte er als 22jähriger wieder zurück nach Stade, ließ sich dort als Advokat und Kanzleiprokurator nieder und baute als solcher eine umfangreiche Kanzlei auf. Sehr schnell etablierte er sich zum fast meist aufgesuchten Anwalt  der Königsreichs Hannover. Zusätzlich wurde er ab 1830 einer der politisch liberalen Führer der Landdrostei Stade und des Königreichs und von 1831 – 1838 Mitglied der 2.Kammer der Allgemeinen Ständeversammlung des Königreichs, in der er den gemäßigten Linken angehörte. Durch seine politischen Aktivitäten wurde Freudentheil in der Staatsgrundgesetzzeit und nach dessen Umsturz im Jahre 1837 durch König Ernst August im Verfassungskampf in ganz Deutschland bekannt, indem er auch in der Folgezeit in engem Zusammenwirken u.a. mit dem liberalen Führer der Opposition, dem Osnabrücker Bürgermeister Carl Betram Stüve, den nachhaltigsten Widerstand lebendig hielt. Als hannoverscher Paulskirchenabgeordneter für den Wahlbezirk Stade gehörte Freudentheil schließlich der verfassunggebenden Nationalversammlung von 1848/49 an und zählte auch hier zu den bedeutendsten Mitgliedern. Hier stimmte er für das preußische Erbkaisertum, die sog. „kleindeutsche Lösung“, und befand sich unter den 25 Abgeordneten der Kaiserdeputation, die dem König von Preußen Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot. Seiner politischen Wirksamkeit entsagte Freudentheil erst wenige Jahre vor seinem Tod. Sein Ideal, das Deutsche Reich, sollte Freudentheil jedoch nicht mehr erleben, da er kurz zuvor am 02.04.1869 in seiner Heimatstadt verstarb.

Alexander Levin Graf von Bennigsen

Alexander Levin Graf von Bennigsen, am 21.07.1809 in Zakret bei Wilna geboren, war der Sohn des russischen Generals Levin August Graf von Bennigsen (*1745 , † 1826), des Siegers von Preußisch Eylau als Oberbefehlshaber der preußisch-russischen Truppen gegen Napoleon 1807. Nach dem Jura-Studium war er seit 1830 im hannoverschen Staatsdienst tätig. 1841 wurde er zum Schatzrat ernannt und als Mitglied in die erste Kammer der hannoverschen Ständeversammlung gewählt. Im zuge der Märzrevolution 1848 wurde er von König Ernst August zum Außenminister und vor allem zum Ministerpräsidenten berufen und als solcher mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Von Bennigsen war sich bewusst, dass ein deutliches Zeichen der reformbereitschaft gesetzt werden musste, wenn man verhindern wollte, dass die Dinge im Königreich Hannover aus dem Ruder liefen. Deshalb riet er dem König, den populären Führer der liberalen Opposition Stüve in das sogenannte „Märzministerium“ aufzunehmen. Im Oktober 1850 wurde er entlassen. Danach wurde von Bennigsen Präsident der ersten Kammer, von der er 1857 ausgeschlossen wurde, später wiederum Mitglied der zweiten Kammer, deren Vorsitzender er 1864 wurde. In den Jahren 1881 – 1883 war er schließlich Abgeordneter der Welfenpartei im Reichstag. Am 27.02.1893 verstarb er in Banteln bei Hildesheim.  

Johann Carl Betram Stüve

Johann Carl Betram Stüve wurde am 04.03.1798 in Osnabrück geboren und lutherisch getauft. Ab 1817 studierte er Rechtswissenschaften zunächst in Berlin und 1818 – 1820 in Göttingen. Aus familiären Gründen entschied er sich gegen eine Gelehrtenlaufbahn und für eine Advokatur in seiner Heimatstadt Osnabrück mit der Absicht, Zeit für wissenschaftliche Nebenbeschäftigungen zu haben. Im Jahr 1823 wurde er von der Stadt Osnabrück zum Abgeordneten in die zweite Kammer der hannoverschen Ständeversammlung gewählt, der er von 1824 – 1837 und von 1848 – 1855 angehörte. Als liberal-konservativer Staatsmann wurde er nach der Julirevolution (1830) Mitglied der hannoverschen Verfassungskommission, die zum Staatsgrundgesetz von 1833 führt, und in der folgenden Zeit führender Kopf der Verfassungsbewegung von 1837/38. Von 1848 – 1850 war Stüve schließlich Innenminister und faktischer Kopf der hannoverschen Märzregierung ab 1848 (Ministerium Bennigsen-Stüve), unter der die hannoversche „Bürgerliche Proceßordnung“ ausgearbeitet wurde. Im Oktober 1850 trat er jedoch von diesem Amt zurück. In den Jahren 1833 – 1848 und 1852 – 1864 war er Erster Bürgermeister Osnabrücks, 1851 – 1852, sowie 1869 – 1872 Bürgervorsteher ebenda, wo er am 16.02.1872 auch verstarb.

Otto Albrecht von Düring

Otto Albrecht von Düring wurde am 10.1.1805 als Sohn  der Oberhauptmannes Karl Johann Georg von Düring in Harsefelde geboren. Im Jahre 1824 nahm er in Göttingen sein Studium der Rechtswissenschaften auf. Seine erste Anstellung nach dem Studium fand er 1828 im Amt Meinersen. Bereits ein Jahr später war von Düring Auditor 8Gerichtshörer) bei der Justizkanzlei Stade und 1832 als Assessor beschäftigt. 1839 wurde er zum Justizrat berufen. Nachdem er bereits 1843 und 1844 im zeitweise eingerichteten Retardatensenat (Retardat= Versäumnis, Verzug) der Oberappellationsgerichts (OAG) Celle tätig geworden war, ernannte ihn der König 1847 zum Mitglied der höchsten Gerichts. 1848 war von Düring im neuen Ministerium Stüve mit dem Justizdepartement betraut, wobei er hier u.a. Leonhardt, Oppenhoff und Schmidt zu seinen engsten Mitarbeitern zählte. Nach dem Rücktritt Stüves, der auch von Dürings Entlassung nach sich zog, wurde er 1850 zweiter Vizepräsident, 1857 erster Vizepräsident und 1859 Präsident des OAG Celle. Beriets seit 1833 saß von Düring in der hannoverschen ersten Kammer und wirkte u.a. an wichtigen Justizgesetzen mit, so 1840 am Criminalgesetzbuch und 1847 an der Bürgerlichen Prozessordnung. Von Düring galt als konservativer und trat stets für die Interessen des  hannoverschen Königshauses ein. Dennoch stimmt e er gegen den Verfassungsbruch im Jahr 1837, da das recht höher stehe als jede Staatsführung. Seit 1855 war er Leiter des Magazins für hannoversches Recht (ab 1859 Zeitschrift für hannoversches Recht). Er starb am 11.04.1875 in Celle.

Gerhardt Adolf Wilhelm Leonhardt

Leonhardt, Gerhard Adolf Wilhelm, wurde am 6. Juni 1815 in Hannover als Sohn des Kreiseinnehmers Leonhardt in Neuhaus bei Stade geboren. Nach dem Besuch des Lyceums in Hannover studierte er ab 1834 die Rechte zunächst in Göttingen, anschließend in Berlin, um wieder nach Göttingen zurückzukehren, wo er mit Auszeichnung promovierte. Nach seiner Tätigkeit als Auditeur beim Stadtgericht Hannover wurde Leonhardt 1842 Advocat in Hannover. Als Advocat trat er mehrfach literarisch in Erscheinung, so gab er u.a. die Annalen des Advocatenvereins Hannover mit heraus. 1848 wurde er als .Hülfsarbeiter' in das hannoversche Justizministerium geholt. 1863 erfolgte seiner Ernennung zum Generalsekretär im hannoverschen Justizministerium unter dem Justizminister Windthorst. 1865 wurde er kurz vor der Annexion Hannovers durch Preußen zum Justizminister in Hannover berufen. Nach der Annexion des Königreich Hannovers im Deutschen Krieg durch das Königreich Preußen trat Leonhardt in die preußischen Staatsdienste ein. Zunächst wurde er Vicepräsident des Oberappelationsgerichts Celle, um kurze Zeit später Präsident des Oberappelationsgerichts in Berlin für die neuen preußischen Provinzen zu werden. Bereits Ende 1867 wurde er zum Kronsyndikus, Mitglied des Herrenhauses und preußischen Justizminister ernannt. Durch Krankheit geschwächt ersuchte er 1879 um seine Entlassung. Die letzten Monate seines Lebens verbrachte Leonhardt in Hannover, wo er am 7. Mai 1880 verstarb. Nach seiner Entlassung würdigte Kaiser Wilhelm I. die Verdienste Leonhardts mit folgenden Worten: "Lange schon fürchtete ich, dass Sie zu diesem Entschlusse [Gesuch um Entlassung] kommen wollten, denn Sie haben mir, dem engeren und weiteren Vaterland Ihre Gesundheit zum Opfer gebracht! Aber Sie haben auch nicht vergeblich gearbeitet für die hohen Erfolge, welche Sie erzielten, denn Sie haben mehr wie den Grund gelegt zu einer Einheit der deutschen Gesetzgebung, woran so Viele und so Vieles scheiterte, Ihr Name steht daher in der Weltgeschichte unauslöschlich dar." (Zit. nach Allgemeine Deutsche Biographie, 18 Bd., 1883) Im Gegensatz hierzu war sein Werk bereits fünf Jahre nach seinem Tod in der Rechtswissenschaft hoch umstritten. Insbesondere der Reichsgerichtsrat Otto Bähr warf Leonhardt in dem von Bähr mitherausgegeben Jahrbuch für die Dogmatik des heutigen römischen und deutschen Privatrechts (Jherings Jahrbücher, Bd. XI [1885] S, 339 ff.) überspitzten Radikalismus und Manchesterthum vor. "Durch die ganze Civilprozeßordnung, wie sie aus seinen Händen [Leonhardts] hervorging, geht ein gewisser Zug, welcher zu dem Gedanken verleiten kann, als ob es die Gesetzgebung für ihre Aufgabe gehalten, denen, welche Processe führen wollen, das Leben nicht so leicht zu machen und ihnen durch allerhand offen gehaltene Fährnisse zu Gemüthe zu führen, dass das Prozessiren kein Scherz sei." Bislang fehlt es an einer umfassenden kritischen Würdigung der Person Leonhardts.

Auswahl der Werke von Adolf Leonhard: •

  •  Allgemeine bürgerliche Proceßordnung für das Königreich Hannover, Hannover 1848
  •  Die bürgerliche Proceßordnung und deren Nebengesetz, 3. Aufl., Hannover 1861
  •  Die Lehre von der Berufung. Eine civilproceßrechtliche Abhandlung, Hannover 1855 Das Civilprozeßverfahren des Königreichs Hannover, Hannover 1861
  •  Der Grundsatz der Mündlichkeit nach den Vorschriften der bürgerlichen Proceß-ordnung vom 8. November 1850, Neues Magazin für hannoveranisches Recht 1 (1860) S. 25 ff.