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Themenauswahl zu den Vereinigten Staaten

US-amerikanisches Ehegüterrecht im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert (Stufe 1)

Dieser Beitrag wird im ersten Teil den Gründen für ein auch innerhalb der USA ganz unterschiedliches Ehegüterrecht nachgehen. In den östlichen US-Bundesstaaten existierte ein traditionell rigides Ehegüterrecht, das vollständig der rezipierten Tradition des Common Law verhaftet blieb, in den westlichen US-Bundesstaaten dagegen ein vergleichsweise frauenfreundliches Ehegüterrecht. Der zweite Teil der Untersuchung gilt der Frage, welche Folgen die zersplitterte Rechtslage und die ungleichzeitigen Reformen in den einzelnen US-Bundesstaaten für die rechtliche und soziale Stellung der Ehefrauen hatten. So konnten Wohnsitzwechsel von einem in den anderen US-Bundesstaat in Ausübung des durch die US-Verfassung garantierten Rechts der Freizügigkeit zu gravierenden Verschlechterungen der vermögensrechtlichen Stellung der Ehefrau führen. Auch scheinbar frauenfreundliche Reformen wie die von der Frauenrechtsbewegung geforderte Einführung der Gütertrennung in einzelnen Bundesstaaten und die Abschaffung von überkommenen Rechtsinstituten wie „dower“ und „curtesy“ zur Regelung des güterrechtlichen Ausgleichs nach dem Tod eines Ehegatten wirkten sich im Ergebnis keineswegs immer günstig auf die Rechtsstellung der Ehefrauen aus.

Geschäftsfähigkeit von Frauen, Ehefrauen und Handelsfrauen in den US-amerikanischen Bundesstaaten des 19. Jahrhunderts (Stufe 1)

Gegenstand einer gesonderten Untersuchung ist die in Bezug auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau grundlegende Frage nach der Geschäftsfähigkeit der Ehefrau in unterschiedlichen US-amerikanischen Bundesstaaten sowie die auch für zeitgenössische europäische Rechtsordnungen typische Differenzierung nach unverheirateten Frauen, Ehefrauen und Handelsfrauen. Im 19. Jahrhundert war im Zivilrecht die eingeschränkte oder häufig auch vollkommen aufgehobene Geschäftsfähigkeit der Ehefrauen einer der markantesten Belege für die fehlende Gleichberechtigung von Frauen gegenüber Männern, aber auch von Ehefrauen gegenüber nicht verheirateten Frauen und Handelsfrauen. Der Kampf gegen das nach dem Common Law geltende Prinzip, dass die Frau im Moment ihrer Eheschließung „in den Augen des Gesetzes zivilrechtlich tot“ ist, gehörte daher bereits zur politischen Agenda der ersten „Women’s Rights Convention“ von 1848. Der weitgehenden Rechtlosstellung der Ehefrauen im Geschäftsverkehr stehen bis in das römische Recht des Altertums reichende Ausnahmeregelungen für sogenannte Handelsfrauen gegenüber, die durch ihr Gewerbe am Handelsverkehr teilnahmen und für die das Recht partielle Ausnahmen vom Prinzip des Schutzes und der Bevormundung machte.

Frauenrechtsbewegung und Frauenrechtsorganisationen im Kampf um die Verbesserung der privatrechtlichen Stellung der Frauen in den USA (Stufe 2)

Die Geschichte der US-amerikanischen Frauenrechtsorganisationen beginnt erst Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, die Geschichte der US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung aber schon sehr viel früher. Unter den beiden zwischen 1869 und 1890 in den USA miteinander konkurrierenden nationalen Frauenrechtsorganisationen ist es anders als in Europa der konservativer ausgerichtete Verband, die „American Woman Suffrage Association“, der allein auf die politische Teilhabe der Frauen setzte, während der kompromissloser auf sofortige Veränderungen der gesamten Rechtsordnung drängende Verband, die „National Women’s Association“, neben der Stimmrechtsfrage auch Reformforderungen zum Familienrecht, etwa die Scheidungsfrage auf seiner politischen Agenda behielt. In den USA waren es auch nicht die frühen zentralen Forderungen nach privatrechtlicher, etwa güterrechtlicher Emanzipation der Ehefrau von ihrem Ehemann, sondern erst die zunehmend von gebildeten, häufig auch vermögenden Frauen getragene Stimmrechtsbewegung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts die soziale Kluft zwischen Arbeiterinnen und privilegierten Frauen sichtbar werden ließ. Dabei stand um 1900 eine gut entwickelte Frauenrechtsbewegung im Norden und Osten der USA einer nur schwach entwickelten Frauenrechtsbewegung in den Südstaaten gegenüber, während die tatsächliche Rechtslage für verheiratete Frauen in den östlichen Bundesstaaten dagegen häufig schlechter war als in einigen Südstaaten und im Westen der USA. Solche in den USA bestehenden Gegensätze und Besonderheiten gegenüber der Rechts- und Reformlage in den westeuropäischen Staaten werden anhand der Quellen analysiert.