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I. Rückblick

Die Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover wurde vor über 30 Jahren als Reformfachbereich Rechtswissenschaften gegründet. Neben einer Reihe anderer Reformfakultäten wie Augsburg, Bayreuth, Bielefeld, Hamburg, Konstanz oder Trier wurde in Hannover die einstufige Juristenausbildung praktiziert. Zentrales Kernstück der Reformausbildung war die Integration von Theorie und Praxis. So wurden eine Vielzahl von Vorlesungen von Hochschullehrern und Praktikern gemeinsam angeboten. Mit der Änderung des Deutschen Richtergesetzes 1983 wurde allen Reformfakultäten die Grundlage für die einstufige Juristenausbildung nach einer Übergangszeit entzogen. Die Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover suchte daher nach Wegen, die Integration von Theorie und Praxis auf andere Weise weiter verwirklichen zu können. In enger Zusammenarbeit mit und Unterstützung durch Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Ulrich Stobbe wurde der Verein zur Förderung der anwaltsorientierten Ausbildung Mitte der 90er Jahre gegründet. Zugleich gelang es mit erheblicher Unterstützung der Hans Soldan Stiftung einen eigenen Lehrstuhl für anwaltliche Berufspraxis einzurichten. Damit wurden die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen vielfältige Aktivitäten zur anwaltsorientierten Juristenausbildung anzubieten. So wurde unter anderem eine Vielzahl von Lehrbeauftragten aus der Anwaltschaft für anwaltsorientierte Vorlesungen eingeworben und in Sonderveranstaltungen wie "Quo vadis, anwaltliches Berufsrecht?" oder "Berufsbilder der anwaltlichen Praxis" die Tätigkeitsfelder des Rechtsanwalts den Studierenden vermittelt.

II. Anwaltsorientierte Juristenausbildung

Seit 2003 beschreitet die Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover einen völlig neuen und in der Bundesrepublik einmaligen Weg der anwaltsorientierten Ausbildung. Den Studierenden wird die Gelegenheit geboten, sich in verstärktem Umfang begleitend zu den durch das NJAG bzw. die NJAVO festgelegten Studieninhalte für das Erste Juristische Staatsexamen auf den anwaltlichen Beruf vorzubereiten und die hierbei erworbenen Kenntnisse durch das ADVO-Zertifikat bestätigen zu lassen. Das ADVO-Zertifikat wird zusammen mit der Rechtsanwaltskammer Celle (Kooperationsabkommen) und dem Verein zur Förderung der anwaltsbezogenen Juristenausbildung im Fachbereich Rechtswissenschaften in Hannover e.V. vergeben.

Voraussetzung für die Zulassung als Rechtsanwalt ist gem. § 4 Bundesrechtsanwaltsordnung die Befähigung zum Richteramt. Ist aber jeder befähigte Richter auch ein befähigter Rechtsanwalt oder sind nicht für den Anwaltsberuf andere Fähigkeiten erforderlich? Der Rechtsanwalt ist nicht nur – anders als der Richter – freiberuflich und ggf. als Selbstständiger tätig; auch inhaltlich werden an die Tätigkeiten verschiedene Anforderungen gestellt. So beurteilt der Richter einen in der Vergangenheit abgeschlossenen Sachverhalt aus der Perspektive eines neutralen Dritten. Aufgabe des Rechtsanwalts ist es hingegen, gestaltend tätig zu werden: Er hat Verträge zu entwerfen, zu optimieren und entsprechende Verhandlungen zu führen, Prozessrisiken zu bewerten und Prozesse zu steuern, Interessen der Mandanten vor Gericht oder außergerichtlich zu vertreten und dabei kreativ nach Lösungen zu suchen.

Obwohl die weit überwiegende Zahl der Jurastudenten später nicht als Richter, sondern als Anwalt tätig wird, steht traditionell die Orientierung am Richterberuf im Mittelpunkt der juristischen Ausbildung. Um der Berufswirklichkeit gerechter zu werden, hat die Juristische Fakultät die anwaltsorientierte Ausbildung in die Prüfungsordnung integriert. Mit § 12 der Studienordnung soll sichergestellt werden, dass in den Übungen für Fortgeschrittene jeweils eine "Anwaltsklausur“ angeboten wird.

Mit dem fakultativen Zusatzangebot des ADVO-Z Studiums erhalten die Studierenden darüber hinaus die Möglichkeit, sich in bestimmten anwaltsorientierten Veranstaltungen erworbene Kenntnisse zertifizieren zu lassen. Der erfolgreiche Abschluss des ADVO-Z Studiums verschafft den Absolventen einen Bewerbervorteil bereits für die Anwaltsstation im Referendariat sowie später auf dem Arbeitsmarkt, da das Zertifikat in Ergänzung zu den Staatsexamina auch das Vorhandensein der – von einstellenden Kanzleien bei Berufsanfängern so oft vermissten – Grundfertigkeiten für den Anwaltsberuf nachweist. Dabei gehören sowohl die Vertragsgestaltung, als auch das Kanzleimanagement sowie das Anwaltliche Berufsrecht zu den vermittelten und später zertifizierten Inhalten. Darüber hinaus wird Studierenden die Möglichkeit geboten, sich erste Praxiserfahrungen, z.B. bei der Teilnahme an der Legal Clinic oder bei einem Moot Court, zertifizieren zu lassen.

Seit dem Sommersemester 2005 wird das ADVO-Z Studium von Professor Dr. Christian Wolf, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches, Europäisches und Internationales Zivilprozessrecht als geschäftsführenden Direktor des Instituts für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA) geleitet. Die anwaltsorientierte Juristenausbildung wird ferner jeweils von einem hauptamtlich an der Universität beschäftigten Professor der drei Kerndisziplinen verantwortet.