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Seit Januar 2017 | Soziale Innovation als Bestandteil einer zukunftsfähigen Daseinsvorsorge am Beispiel ländlicher Räume in Niedersachsen

Das Forschungsvorhaben zielt auf die Entwicklung, Stabilisierung und Anpassung der Daseinsvorsorge in ausgewählten ländlichen Räumen unter Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen des demografischen Wandels. Der Fokus auf soziale Innovation weitet dabei den Blick, birgt neue Erkenntnisse und eröffnet Perspektiven zwischen Improvisation und Neukomposition von Infrastrukturen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie „Potenziale ganzheitlicher Modelle und Konzepte wohnortnaher Versorgung“ (2014) werden die Komponenten eines „Guten Lebens“ im Hinblick auf eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge und die Voraussetzungen für entsprechende soziale Innovationen in ländlichen Räumen erforscht. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung neuer InfrastrukturNetzModelle und - Konzepte für die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume.
An dem im Januar 2017 gestarteten interdisziplinären Vorhaben sind die Abteilung Flächen- und Immobilienmanagement am Geodätischen Institut der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie sowie die Abteilung Öffentliches Recht am Institut für Arbeits-, Unternehmens- und Sozialrecht der Juristischen Fakultät beteiligt. Um darüber hinaus auch Transdisziplinarität herzustellen, wurden Kooperationen mit fünf Kommunen im südlichen Niedersachsen eingegangen. Kooperation heißt in diesem Forschungsprojekt nicht nur Fallbeispiel zu sein, sondern auch Akteurinnen und Akteure vor Ort einzubeziehen und konstruktives und kooperatives Engagement für neue Lösungen einzubringen.
Die Sicherung der Daseinsvorsorge wird in planungsrechtlichen Grundlagen und Instrumenten wie in programmatischen Konzepten von Bund, Ländern und Kommunen als eine Strategie zur Bewältigung des demografischen Wandels sowie der Stabilisierung ländlicher Räume gesehen. Sie gilt als wichtiger Baustein auch der niedersächsischen Raumordnungs- und Regionalpolitik. Über seine „Regionalen Handlungsstrategien“ vermittelt das Land Niedersachsen die große Bedeutung der Sicherung von dauerhaft funktionsfähigen Versorgungseinrichtungen und Mobilitätsangeboten, die u.a. durch interkommunale und transdisziplinäre Kooperationen oder auch durch integrierte Gemeinschaftsprojekte erreicht werden soll. Vor diesem Hintergrund erhalten innovative Projektansätze, die auf eine veränderte Nachfrage besonders im ländlich peripheren Raum und mit veränderten Akteurskonstellationen sowie bedarfsgerechten Angebotspaletten reagieren, auch in Niedersachsen eine wachsende Bedeutung und sollen durch das Projekt vorangebracht werden.
Der Bedarf nach Veränderungen in ländlichen Räumen ist offensichtlich; so lässt zum einen der bauliche Zustand von Daseinsvorsorgeeinrichtungen zu wünschen übrig, daneben zeigt deren (temporärer) Leerstand aufgrund von Unternutzung, verstärkt durch die häufig einseitige Ausrichtung auf wenige Anspruchsgruppen, dass die Kommunen sich in diesem Bereich neu aufstellen müssen. Veränderungen sollten hier im Hinblick auf eine (sozial orientierte) Daseinsvorsorge nicht als „notwendiges Übel“ angesehen werden, sondern als Chancengeberinnen für eine nachhaltige Sicherung der Existenzbedingungen.
Kernthese des Forschungsprojektes ist, dass eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge nur unter Berücksichtigung der künftig zu erwartenden Nachfrage und im Zusammenhang mit der Frage nach und Definition eines „Guten Lebens“ (in Anlehnung an Martha Nussbaum 2012) zu entwickeln ist. Ohne soziale Innovation, die sich aus den betroffenen Räumen selbst rekrutiert, scheinen Aufbau und Konsolidierung solcher Netzwerke kaum denkbar.
Das Forschungsziel besteht somit darin, die Komponenten einer „Guten Versorgung“ und „Guten Zusammenarbeit“ (Governance) ebenso wie die Voraussetzungen und Potenziale sozialer Innovation in ländlichen Räumen zu analysieren, um daraus neue Modelle und Konzepte für netzwerkgestützte bzw. netzartige Infrastrukturen zu entwickeln. Der Ansatz des „Guten Lebens“ birgt hierbei besonderes Innovationspotenzial auch im Hinblick auf bestehende kommunale Rahmenbedingungen. Praktisches Ziel ist der Transfer der Forschungsergebnisse in die Verwaltungspraxis der Kooperationsgemeinden sowie das modellhafte Durchdenken von Fallbeispielen an ausgewählten Standorten.

Folgende Leitfragen werden bearbeitet:

  • WAS ist für WEN eine angemessene Versorgung?
  • WAS ist vor Ort vorhanden? WER übernimmt Verantwortung?
  • WIE können kontextspezifische, bedarfsgerechte Lösungen aussehen und
  • WIE und MIT WEM lassen sich neue Modelle und Konzepte vor Ort umsetzen?
  • WIE kann Zukunftsfähigkeit gelingen? WELCHE Lösungen sind übertragbar?

Projektdaten:

Förderinstitution:

Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (Brüssel)             

Fördermittel:

46.104 €

Projektdauer:

01.2017 - 12.2018

Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter:

Prof. Dr. Brosius-Gersdorf, LL.M. und Weitere

Website:

www.sofis.gesis.org