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Seit Dezember 2016 | GEENGOV: Governance biomedizinischer Genom-Editierung

Seit Längerem werden bereits etablierte Verfahren der sog. Genom-Editierung (engl. auch „genome editing with engineered nucleases“ – GEEN) wie ZFN und TALEN als vielversprechende Methoden zur Behandlung und Prävention genetisch bedingter Erkrankungen betrachtet. Denn GenomEditierung erlaubt es, einen spezifischen Abschnitt der DNS „auszuschneiden“; natürliche zellulare Reparaturmechanismen korrigieren die dann unterbrochenen Abschnitte. Dadurch können bestimmte Teile der DNS „gelöscht“ und die Funktion eines (möglicherweise defekten) Gens verändert werden. Mit der neuen Entwicklung der kostengünstigen und unkomplizierter einsetzbaren CRISPR-Cas9- Methode wurden die GEEN-Anwendungsmöglichkeiten weiter vergrößert. Neben Anwendungen an somatischen Zellen zur Therapie genetisch bedingter Erkrankungen an bereits betroffenen Patienten (somatische GEEN-Anwendung) ist auch die Anwendung an Keimzellen oder embryonalen Frühstadien (GEEN-Anwendung in der Keimbahn) möglich. Die Hoffnungen, mit CRISPR-Cas9 neue Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten für genetische Erkrankungen aufzudecken, fallen dementsprechend groß aus.

Als aber im April 2015 bekannt wurde, dass erstmals CRISPR-Cas9 an (nicht weiter lebensfähigen) humanen Embryos eingesetzt worden war, wurde eine internationale Debatte über die ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen von GEEN-Anwendungen in der Keimbahn angefacht. Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich in der Folge für Moratorien bezüglich therapeutischer und präventiver GEEN-Anwendungen in der Keimbahn ausgesprochen; davon ausgenommen sollte lediglich die Grundlagenforschung an Keimzellen und embryonalen Frühstadien sein. Die genannten Moratorien erstrecken sich aber nicht auf mögliche somatische GEEN-Anwendungen. Daher sind entsprechende erste klinische Studien mit der CRISPR-Cas9-Methode bereits 2017 zu erwarten. Doch auch hier sind die forschungsethischen und (forschungs-)rechtlichen Voraussetzungen noch ungeklärt, so bspw. hinsichtlich der Abwägung von Nutzenchancen und Schadensrisiken oder bei der Frage, wie Studienteilnehmende solcher klinischer Forschung überhaupt informiert einwilligen können. Angesichts der zu erwartenden Studien mit somatischen GEEN-Anwendungen stellt die Klärung der forschungsethischen und (forschungs-)rechtlichen Voraussetzungen in diesem Bereich eine unmittelbare praktische Herausforderung für die Forschung dar. Deshalb weist die mögliche Steuerung und Regulierung entsprechender klinischer Forschung eine gewisse Dringlichkeit auf. Aus diesem Grund konzentriert sich das GEENGOV-Verbundprojekt primär auf somatische GEENAnwendungen und fokussiert auf die ethische und rechtliche Forschungs-Governance dieser Anwendungen.

Projektdaten:

Förderinstitution:

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Fördermittel:

150.000 €

Projektdauer:

12.2016 - 11.2019

Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter:

Prof. Dr. Susanne Beck
Frederike Seitz, Ass. iur., M.A.

Website:

www.mh-hannover.de/fileadmin/institute/geschichte_medizin/downloads/170116_GEENGOV_Website_Dokument.pdf