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70 Jahre nach Auschwitz – Das Verfahren gegen Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

Im Jahr 2015 fand vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg die Hauptverhandlung gegen den damals 93 Jahre alten Angeklagten Oskar Gröning statt. Ihm wurde zur Last gelegt, zwischen dem 16.5.1944 und 11.7.1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen geleistet zu haben. Nach 16 Verhandlungstagen wurde der Angeklagte am 15.7.2015 schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt. Die Verteidigung und fünf Nebenklagevertreter haben gegen das Urteil Revision eingelegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Verfahren und die vom Gericht getroffene Entscheidung werfen vielfältige Fragen auf. Rechtsfragen kreisen um die Einordnung des Tatbeitrags des Angeklagten in Auschwitz als Beihilfe, um die Beweisbarkeit des Vorwurfs 70 Jahre nach der Tat und um die Begründung des vom Gericht ausgeurteilten Strafmaßes. Weiterführende Fragen beschäftigen sich mit der Rolle der Justiz bei der Aufarbeitung des NS-Unrechts im Nachkriegsdeutschland und den Gründen für den langen Abstand zwischen Tat und Urteil. "Warum erst jetzt?" wurde von vielen Nebenklägern gefragt.

Das Kriminalwissenschaftliche Institut bietet an drei Abenden die Gelegenheit, über diese und ähnliche Fragen mit den Personen zu diskutieren, die im letzten Jahr in unterschiedlichen Funktionen an dem Verfahren gegen Gröning beteiligt waren. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Herr Oberstaatsanwalt Dr. Lehmann, einer der Nebenklagevertreter, Herr Professor Dr. Nestler, und einer der beiden Verteidiger, Herr Rechtsanwalt Holtermann, werden über ihren jeweiligen Blick auf das Verfahren berichten. Die Studierenden haben so die einmalige Gelegenheit, aus erster Hand einen unmittelbaren Eindruck von den spezifischen Fragen und Problemen zu gewinnen, die sich heute bei der strafrechtlichen Aufarbeitung von NS-Unrecht stellen.

1. Gerechtigkeit nach 70 Jahren- die Aufgabe der Staatsanwaltschaft

Oberstaatsanwalt Dr. Jens Lehmann, Celle
Montag, 28.11.2016, 18.00 Uhr, Hörsaalgebäude 003

2. Den Opfern ein Gesicht geben - die Aufgabe der Nebenklage

Professor Dr. Cornelius Nestler, Köln
Dienstag, 29.11.2016, 18.00 Uhr, Wiwi-Gebäude 201

3. Moralische, aber auch strafrechtliche Schuld? - die Aufgabe der Verteidigung

Rechtsanwalt Hans Holtermann, Hannover
Donnerstag, 1.12.2016, 18.00 Uhr, Hörsaalgebäude 003

Prozessdokumentation

Die letzten Zeugen. Der Auschwitz-Prozess von Lüneburg 2015. Reclam.

Urteil

 Das Urteil zum Verfahren finden Sie hier.