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Anwaltsrecht

Zu einem wichtigen Schwerpunkt hat sich in den letzten Jahren das anwaltliche Berufsrecht entwickelt. Dies drückt sich nicht nur in einer Reihe von Aufsätzen zum Anwaltsrecht sowie der Mitwirkung von Professor Wolf in der Ethikkommission des Präsidiums der Bundesrechtsanwaltskammer aus, sondern vor allem durch den von Professor Dr. Reinhard Gaier, Richter des Bundesverfassungsgerichts, Rechtsanwalt Stephan Göcken, Sprecher der Geschäftsführung der BRAK und Professor Christian Wolf herausgegebenen Kommentar

 

In den Forschungsarbeiten von Professor Wolf wird insbesondere eine Verbindung zwischen dem Prozessrecht, der Rolle des Rechtsanwalts im Verfahren und dem anwaltlichen Berufsrecht gesucht.

Der Rechtsanwalt als Motor der Rechtsentwicklung

Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann hat den Richter als die Zentralfigur des Rechtssystems bezeichnet, weil er und nur er die Rechtsfälle zu entscheiden hat. Eine vergleichbare Zuschreibung findet sich z.B. auch bei Dworkin. Auf dreifache Weise ist diese Aussage zu relativieren. (1) Zunächst vermag der Richter nur diejenigen Fälle zu entscheiden, welche ihm unterbreitet werden. Es obliegt folglich in erster Linie den Rechtsanwälten und ihren Parteien für die Rechtsfortbildung geeignete Fälle auszuwählen, vor Gericht zu bringen und durch die Instanzen zu treiben. (2) Die Parteien und ihre Anwälte haben entscheidenden Einfluss darauf, ob es zu einer Grundsatzentscheidung kommen kann. Häufig werden Kläger kurz vor einer Grundsatzentscheidung, welche sich auf viele gleichgelagerte Fälle auswirken kann, vom Beklagten heraus gekauft. (3) Der Rechtsfindung im Prozess wird in der Methodenlehre kaum Bedeutung zugemessen. man geht davon aus, dass das Ergebnis bereits fertig in den Büchern steht und den Parteien vom Richter im Prozess lediglich  pädagogisch vermittelt wird. Die dialogische Komponente der Rechtsfindung, die Arbeitsgemeinschaft von Richtern und Parteivertreten wird so negiert.

Ziel des Projektes ist es den Einfluss der Rechtsanwaltschaft auf die Rechtsfindung aufzuzeigen. Hierbei verfolgt das Projekt eine biographisch-historische Komponente. Exemplarisch soll an Hand von „Landmark Cases“, wie z.B. der Bürgschaftsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts, aufgezeigt werden, welcher Rechtsanwalt die Entscheidung vor das die Entscheidung treffende Gericht gebracht hat, welche Motivationslage er hatte, warum er an dieser Stelle den Kampf ums Recht aufnahm, welche Argumente er in den Prozess einführte, welche sich davon in der Entscheidung wiederfanden, welche Änderung der Rechtsprechung die Entscheidung bewirkte. Bislang gibt es eine Herstellung der Verbindung zwischen rechtswissenschaftlichem Institut und Person lediglich bezogen auf Rechtswissenschaftler (Hoeren, Zivilrechtliche Entdecker und Grundmann, Deutschsprachige Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts in Berichten ihrer Schüler).

Ausgehend von den dadurch gewonnen Erkenntnissen soll aber im Rahmen des Projekts auch der theoretischen Grundlage einer dialogischen Rechtsfindung weiter nachgegangen werden.

25 Jahre Bastille-Entscheidungen

Das Buch dokumentiert die Ringvorlesung „25 Jahre Bastille-Entscheidungen“ der Leibniz Universität Hannover. Aus unterschiedlicher Perspektive ziehen die Beiträge Bilanz der Veränderungen der Anwaltschaft in den letzten 25 Jahren und wagen einen Ausblick auf künftige Entwicklungen. Die Positionen der Verfasser sind kontrovers; im besten Sinne verkörpern sie damit das, was für die Tätigkeit des Rechtsanwalts schlicht konstitutiv ist: Schwierige Zukunftsprobleme einer Gesellschaft, auch in Rechtsfragen, lassen sich nur im Widerstreit der Meinungen lösen. In diesem Sinne sollte „25 Jahre Bastille-Entscheidungen“ für jeden Anwalt zur Pflichtlektüre zählen. Die Themen sind:

Freiheit und Bindung der Anwaltschaft
RA Dr. Michael Krenzler

Europa als Motor eines liberalen Anwaltsrechts
RA Prof. Dr. Hans-Jürgen Hellwig

Wie es zu den Bastille-Entscheidungen gekommen ist
RA Dr. Michael Kleine-Cosack

Die Funktion der Rechtsschutzversicherungen für den Anwaltsmarkt
Rainer Tögel

Perspectives on the Global Law Firm and the international framework
Solicitor Stephen Denyer

Sicherung des Zugangs zum Recht durch das anwaltliche Gebührensystem
RA und Notar Herbert Schons

"… but you won’t fool the children of the revolution" – Der Strafverteidiger als Organ der Rechtspflege oder Vertragspartner des Beschuldigten?
RiOLG Prof. Dr. Matthias Jahn