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Drittmittelprojekt: Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis. Studie zur aktuellen Situation aus linguistischer, phoniatrisch-psycholinguistischer und juristischer Perspektive

Drittmittelprojekt: Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis. Studie zur aktuellen Situation aus linguistischer, phoniatrisch-psycholinguistischer und juristischer Perspektive

Projekt zur Erforschung geschlechtergerechten Umgangs mit Sprache aus linguistischer, phoniatrisch-psycholinguistischer und juristischer Perspektive in Theorie und Praxis.

Projektdaten

  • Laufzeit: 3 Jahre
  • Förderinstitution: MWK Niedersachsen (Ministerium für Wissenschaft und Kultur)
  • Fördermittel: 500.000 €
  • Mitarbeitende: Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, LL.M. (Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover), Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Ptok (Phoniatrie und Pädaudiologie, Medizinische Hochschule Hannover)
  • Sprecherin: Prof. Dr. Gabriele Diewald (Germanistische Linguistik, Leibniz Universität Hannover)  
  • Website: www.gabrielediewald.de/genderprojekt

Das Projekt: Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis

Menschliche Sprache ist sowohl das Resultat der Gesamtheit der Konzeptualisierung der Sprachgemeinschaft (Spiegel des Geistes) als auch das Muster und Instrument für weitere Konzeptionen der Wirklichkeit. Anders formuliert: Sprache ist vom Denken geprägt und Sprache prägt das Denken. Zugleich ist Sprache die Grundlage jeglicher gesellschaftlichen Interaktion. Sie prägt gleichermaßen die Konstitution und (Selbst-) Definition des Individuums wie auch der Gesellschaft. Damit sind die Sprache und ihr Gebrauch ein entscheidender Faktor für die Realisierung von Gleichstellungsbemühungen, wobei insbesondere der Personenreferenz (in Anreden, Selbstbezeichnungen und Drittbezeichnungen) inklusive des großen Bereichs der Amts- und Berufsbezeichnungen zentrale Bedeutung zukommt.

Die Erkenntnis der Wichtigkeit von Sprachfragen für die Gleichstellung findet ihren Niederschlag in Gesetzen und Verordnungen - beispielgebend ist das Niedersächsische Gesetz zur Förderung der Gleichstellung der Frau in der Rechts- und Verwaltungssprache (Nds. GV. 1989, S. 50) - sowie in einer großen Zahl praxisbezogener Empfehlungen verschiedenster Institutionen.

Jedoch lässt sich beobachten, dass zwischen dem gesamtgesellschaftlichen und gesetzgeberischen Willen zur Umsetzung geschlechtergerechter Sprache und deren Realisierung in der Praxis eine Diskrepanz besteht, die einerseits auf unrichtigen Annahmen bzw. unzureichendem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit basiert, die andererseits jedoch auf Lücken in der Forschung verweist. Diese betreffen die Interdependenzen von Sprachsystem und Sprachgebrauch, die Mechanismen der kognitiven Rezeption und Verarbeitung sprachlicher Strukturen sowie die Tatsache, dass die fachliche Durchdringung der juristischen Vorbedingungen für die Verwirklichung geschlechtergerechter Sprache sich noch in den Anfängen befindet.

Das Projekt strebt an, diese Kluft zu schließen, indem es die Theorie und Praxis des geschlechtergerechten Umgangs mit Sprache aus linguistischer, phoniatrisch-psycholinguistischer und juristischer Perspektive untersucht.

Forschungsziele

Die Untersuchung hat folgende Zielsetzungen:

  • den aktuellen Stand der Gleichstellungsbemühungen durch den Gebrauch gendergerechter Sprache (fokussiert auf Arten der Personenreferenz sowie Amts- und Berufsbezeichnungen) zu ermitteln und theoretisch zu reflektieren,
  • mit gezielten fachspezifischen und interdisziplinären Forschungsfragen neue, weiterführende Erkenntnisse zu gewinnen,
  • die Resultate in praxisorientierte Überlegungen zur Weiterentwicklung der Bemühungen um gendergerechte Sprache münden zu lassen.

Methoden

Die beteiligten Disziplinen sind die germanistische Linguistik, die Medizin und die Rechtswissenschaft. Das linguistische Teilprojekt untersucht Form und Gebrauch der Personenreferenz sowie der Amts- und Berufsbezeichnungen im Kontext geschlechtergerechter Sprache systemlinguistisch und unter dem Gesichtspunkt des Sprachwandels durch gesellschaftlich bewusst initiierten veränderten Sprachgebrauch.

Das phoniatrisch-psycholinguistische Teilprojekt erforscht experimentell bestimmte, bislang wenig beachtete psycholinguistische Effekte unterschiedlicher Formen der Personenreferenz.

Das juristische Teilprojekt befasst sich mit dem für Staat und Gesellschaft essentiellen Aspekt der normativen Regulierung einer bestimmten Sprachpraxis.

Durch diese innovative interdisziplinäre Kooperation geisteswissenschaftlicher, naturwissenschaftlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Fächer kann der Forschungsgegenstand in seinen relevanten Dimensionen - der linguistisch-semiotischen, der individual-kognitionsbiologischen und der gesellschaftlich-normativen - vollständig erfasst werden.

Einladung zur Tagung „Denken – Sprechen – Gendern“

Am 10. und 11. Oktober 2019 findet im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes „Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis" im Leibnizhaus (Holzmarkt 4-6, 30159 Hannover) die Tagung „Denken – Sprechen – Gendern“ statt.

Weitere Informationen finden Sie im Tagungsflyer.

Autor: LG