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Interview mit Stefanie Otte (Präsidentin des OLG Celle) in der Hanover Law Review

Interview mit Stefanie Otte (Präsidentin des OLG Celle) in der Hanover Law Review

© Sven Brauers, Hannover

Professorinnen und Professoren an unserer Fakultät, wie auch andere erfolgreiche Juristinnen und Juristen sind keine unnahbaren, unwirklichen Persönlichkeiten. Jede und jeder hat einen Werdegang, Vorlieben und Erlebnisse, die vielleicht ihren Vorlesungsstil beeinflussen, ihr Lieblingsseminar begründen oder Ausdruck in den letzten Veröffentlichungen und der täglichen Arbeit finden.

Die studentische Zeitschrift Hanover Law Review versucht diese Persönlichkeiten in einer Interviewreihe erlebbarer zu machen. In den vergangenen Ausgaben wurden bereits Interviews mit Professor Butzer (Ausgabe 1/2019), Professor Heinze (Ausgabe 3/2018), Professor Temming (Ausgabe 4/2018) und Professor Wolf (Ausgabe 4/2019) veröffentlicht. 

Für die Ausgabe 3/2019 hat Frederike Hirt die Präsidentin des OLG Celle, Stefanie Otte, interviewt.

Wie Frau Otte den Weg zum Jurastudium gefunden und ob sie an einem kommerziellen Repetitorium teilgenommen hat, erfahren Sie im folgenden Ausschnitt.

1. Was hat Sie dazu bewogen, mit dem Jurastudium zu beginnen?

Ich habe direkt nach dem Abitur an der damaligen niedersächsischen Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim mit dem Rechtspflegerstudium begonnen. Nach dem Abschluss 1990 habe ich zunächst ein Jahr lang als Rechtspflegerin gearbeitet und mich dann für das Jurastudium eingeschrieben. Ich war damals Anfang 20 und hatte somit noch eine recht lange Berufszeit vor mir.

2. Warum haben Sie nicht direkt angefangen Jura zu studieren?

Einerseits aus finanziellen Gründen, denn das Studium der Rechtspflege war schon seinerzeit und ist auch heute noch so ausgestaltet, dass man bereits Geld verdient, und ich wollte - auch finanziell - unabhängig sein. Andererseits hatte ich unmittelbar nach dem Abitur sehr großen Respekt vor den Herausforderungen des Jurastudiums und dem Berufsbild der Richterin. Das Studium der Rechtspflege war insofern ein guter Kompromiss, denn ich konnte einen juristischen Beruf ergreifen ohne mich sofort für das ganz Große entscheiden zu müssen.

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9. Haben Sie an einem kommerziellen Repetitorium teilgenommen?

Nein, ich habe am Uni-Repetitorium in Osnabrück teilgenommen. Das hatte schon seinerzeit einen hervorragenden Ruf und ich bin sehr froh, dass die Universität mir ermöglicht hat, mich angemessen auf mein Examen vorzubereiten. Dass die Examensvorbereitung an der Universität mit gutem Erfolg möglich ist, sollte meines Erachtens selbstverständlich sein.

10. Wie hat sich Ihre Examensvorbereitung abgesehen vom Repetitorium gestaltet?

Ich denke, das war so wie bei den Allermeisten. Wichtig ist ein sehr strukturiertes Vorgehen. Ein gut organisierter Tagesablauf, die Strukturierung des Lernstoffs, eine gute Mischung aus individuellem Lernen und Lernen in der Gruppe, der gegenseitige Austausch mit anderen Studierenden und natürlich auch die Teilnahme an Klausurenkursen mit dem häufigen Schreiben einer Klausur unter realen Bedingungen.

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16. Welche Herausforderungen/Probleme sehen Sie auf die zukünftige Generation von Juristinnen und Juristen zukommen?

Ich glaube, dass sich die Studierenden, wenn sie sich den Arbeitsmarkt ansehen, schon entspannen können. Die Berufswelt wird ihnen - viel umfassender als das noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist -offenstehen. Das heißt natürlich nicht, dass man sich zurücklehnen kann. Die Anforderungen, die Arbeitgeber an Berufsanfänger weiterhin stellen werden, sind sehr hoch. Deshalb ist auch bei einem sich verändernden Arbeitsmarkt eine hohe Eigenmotivation gefordert, um die Qualität des Studienabschlusses zu gewährleisten und sich auf dem Arbeitsmarkt zu bewähren. Für den Bereich der Justiz ist der hohe juristische Anspruch eine Voraussetzung. Aber es gibt auch technische Veränderungen, die eine Herausforderung darstellen werden. Was macht das Fortschreiten der Technik mit der Rechtsfindung? Wird künstliche Intelligenz unsere Urteilsfindung beeinflussen oder unterstützen? Wie arbeiten wir mit technischen Mitteln? Ich glaube, dass insbesondere die jüngeren Generationen in ihrer Berufswelt einem ständigen Wandel unterzogen sein werden. Ich mache mir da aber keine Sorgen, da die Generation der jetzt Studierenden mit diesem Wandel schon aufgewachsen ist. Die sogenannten digital natives haben gelernt, dass Veränderung zum Leben dazugehört, zumindest stärker als es noch vor 20 Jahren der Fall gewesen ist. Das erleichtert den Umgang mit diesen Veränderungen.

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28. Welche Bücher können Sie unseren Leserinnen und Lesern für die Freizeitlektüre empfehlen?

„Justizpalast“ von Petra Morsbach. Das Buch gibt einen guten, ungeschönten Einblick in den Alltag der Justiz und das Arbeitsleben von Richterinnen und Richtern. Dann vielleicht noch „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher. Das ist der erste Teil einer Krimireihe, die das Leben im Berlin der 20er Jahre beleuchtet, inklusive gesellschaftlicher und politischer Aspekte. Die Geschichte um die Hauptperson des Buches, Kommissar Rath, war Grundlage für die Fernsehserie Babylon Berlin.

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Alle 30 Fragen und Antworten, darunter auch, wie man Frau Otto auf die Palme bringen kann, können Sie in der Ausgabe 3/2019 der Hanover Law Review nachlesen. Zur Online-Version der Ausgabe gelangen Sie hier. 

Über Hanover Law Review e.V.

Der gemeinnützige Trägerverein Hanover Law Review e.V. arbeitet eng mit der Juristischen Fakultät zusammen und findet durch die Fakultät dankenswerterweise Unterstützung. Freiwillige, wissenschaftliche Mitarbeitende übernehmen koordinierende und leitende Redaktionsaufgaben und unterstützen die sonst ausschließlich studentisch besetzte Redaktion bei der Entwicklung neuer Beiträge, Übersichten und der Herausgebertätigkeit.

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Autor: SH