Die Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover freut sich, dass Prof. Dr. Katharina Bernheim-Engler LL.M. (Berkeley) zum Wintersemester 2025/26 die Juniorprofessur für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Anwaltsrecht angenommen hat.
Für alle, die noch keine Gelegenheit hattet, sie kennenzulernen oder in der Vorlesung zu erleben, haben wir Frau Bernheim-Engler interviewt:
Möchten Sie etwas Persönliches über sich preisgeben?
Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und rolle gerne in meiner Freizeit meine Yogamatte aus, im Sommer am liebsten in einem Park.
Was hat Sie dazu bewegt, ein Jura-Studium anzufangen?
Für das Jurastudium gab es mehrere Motivationen. Zum einen hatte mein Vater mir vorgelebt, wie erfüllend es sein kann, mit Herz und Seele als Anwalt zu arbeiten. Zum anderen hatte ich während eines Auslandsaufenthaltes in der Schulzeit kennengelernt, was es heißt, wenn die Bevölkerung mit bewusst rechtswidrigem und willkürlichem Verhalten staatlicher Organe rechnen muss. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und mir die Bedeutung eines Rechtsstaats im täglichen Leben vor Augen gehalten. Von dem Jurastudium habe ich mir versprochen, einen Beitrag zum Funktionieren des Rechtsstaats leisten zu können.
Sie haben an mehreren renommierten Universitäten studiert – unter anderem in Passau, Berlin, Moskau und später in Berkeley. Wie kam es zu diesen unterschiedlichen Studienorten und gibt es große Unterschiede im Studienalltag an den jeweiligen Universitäten?
Nach Passau kam ich zum Studium, weil mich die fachspezifische Fremdsprachenausbildung interessierte und die Fakultät gut in den Rankings abschnitt. Außerdem reizte es mich – nachdem ich bis dahin mein gesamtes Leben in Hamburg verbracht hatte – einen ganz anderen Teil Deutschlands näher kennenlernen. Nach vier Semestern zog es mich dann in die Hauptstadt und an der Humboldt-Universität zu Berlin belegte ich den Schwerpunkt im Völkerrecht und Europarecht. Das war ein besonders prägender und spannender Abschnitt meiner juristischen Ausbildung.
Nach Moskau kam ich über ein Austauschprogramm der Humboldt-Uni. Dazu ist zu sagen, dass meine Großmutter, die Mutter meines Vaters, in der Ostukraine in einer russischsprachigen Familie aufgewachsen ist. Die Sprache, in der mir meine Großmutter und mein Vater in meiner Kindheit vorgelesen haben, wollte ich auch gerne selbst sprechen.
Zu dem LL.M.-Programm nach Berkeley bin ich erst über zehn Jahre später gekommen. Zu dem Zeitpunkt war ich in der Hamburger Justiz tätig und habe nach einer Möglichkeit gesucht, den LL.M. berufsbegleitend zu absolvieren. Der Executive Track in Berkeley, der den Erwerb des LL.M. innerhalb zweier aufeinanderfolgender Sommer-Präsenzphasen ermöglicht, war für mich ideal.
Zu den Unterschieden im Studienalltag: Sicherlich haben jedes Land und jede Uni ihre eignen Traditionen. Auch wenn der Unterricht unterschiedlich strukturiert ist, habe ich allerdings als generelle Erfahrung für mich mitgenommen, dass Minigruppen, in denen man diskutieren und auch mal „komische“ Fragen stellen kann, immens wichtig sind, um etwas Gehörtes bzw. Gelerntes zu verarbeiten.
Für Ihren Master of Laws (LL.M.) waren Sie an der University of California, Berkeley, wo Sie u.a. auf der Dean’s List standen und für das „Best Legal Memo“ ausgezeichnet wurden. Gibt es etwas im Bereich der Ausbildung oder des akademischen Austauschs, das Sie während Ihrer Zeit in den USA besonders geprägt hat? Wem würden Sie einen Auslandsaufenthalt während des Studium empfehlen?
Besonders geprägt hat mich, dass der Unterricht in Berkeley sehr anschaulich war und viel Wert auf Beispiele gelegt wurde. Dies hängt natürlich mit dem dortigen Case Law zusammen, das gerade auf der Arbeit mit Präzedenzfällen beruht. Dennoch glaube ich, dass Beispielsfälle den Unterricht auch in unserem kontinentaleuropäischen Rechtssystem beleben und als Erinnerungshilfe dienen können.
Einen Auslandsaufenthalt während des Studiums würde ich allen empfehlen, die Lust darauf haben, etwas Neues kennenzulernen. Einen anderen Alltag zu erleben, öffnet den Blick für unterschiedliche Perspektiven – und an der Uni trifft man meist auch zahlreiche internationale Studierende, sodass sich ein ganzer Strauß neuer Sichtweisen entfaltet.
Im Anschluss an Ihr Referendariat waren Sie zunächst mehrere Jahre als Richterin am Amtsgericht in Hamburg tätig – sowohl im Zivil- als auch im Strafrecht. Wie hat Ihnen die Arbeit in der Justiz gefallen und was hat Sie bewegt, nun eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen?
Gefallen hat mir der vielfältige Alltag. Sowohl in Zivil- als auch in Strafsachen kann man innerhalb weniger Tage beim Amtsgericht eine ganze Bandbreite an Fällen erleben. Gleichzeitig merkte ich, dass ich gerne einer rechtlichen Frage ganz auf den Grund gehen möchte. Deswegen habe ich berufsbegleitend promoviert und im Verlauf der Arbeit an der Dissertation erfahren, dass es mir immer mehr Freude bereit hat, je tiefer und detaillierter ich das Thema verstanden hatte.
Während Ihrer Zeit in der Justiz waren Sie u.a. an das Gemeinsame Prüfungsamt der Länder Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, das für das zweite juristische Staatsexamen zuständig ist, abgeordnet. Haben Sie abschließend einen Rat für unsere fortgeschrittenen Studierenden, die direkt nach dem ersten Staatsexamen planen, ins Referendariat zu gehen, um das zweite juristische Staatsexamen zu absolvieren?
Mein Tipp ist, im Referendariat möglichst viele Berufsfelder, die für die spätere Tätigkeit in Betracht kommen, ernsthaft in den Stationen anzuschauen. Auch wenn natürlich genügend Zeit zum Lernen bleiben muss, lohnt es sich, soweit möglich in die fremden Alltage einzutauchen. Das Referendariat bietet die einmalige Möglichkeit, eine Insider-Perspektive zu zahlreichen Tätigkeiten in relativ kurzer Zeit zu erlangen und auszutesten, was am besten zur eigenen Persönlichkeit passt.
Kurz gefragt, kurz geantwortet:
Auto, Fahrrad oder Öffis?
Zurzeit Öffis, aber ich würde mich auch gerne wieder öfter auf ein Fahrrad schwingen.
Roman oder Netflix-Serie?
Beides in der richtigen Dosis.
Kochen oder kochen lassen?
Zu Hause wurde das dahingehend ausgehandelt, dass ich koche, aber nicht abräumen und spülen muss.
Bier oder Wein?
Wein.
Habersack oder Beck-Ausgaben?
Um den Rücken heute zu schonen: die Beck-Ausgaben.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Bernheim-Engler für das Interview!