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Neu an der Fakultät: Prof. Dr. Tobias Kulhanek stellt sich vor

Neu an der Fakultät: Prof. Dr. Tobias Kulhanek stellt sich vor

© Juristische Fakultät Hannover

Die Juristische Fakultät der Leibniz Universität Hannover freut sich, dass Prof. Dr. Tobias Kulhanek, RiLG a.D. zum Wintersemester 2025/26 den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie und Sanktionenrecht übernommen hat.

Für alle, die noch keine Gelegenheit hatten, ihn kennenzulernen oder in der Vorlesung zu erleben, haben wir Herrn Kulhanek interviewt:

Wo haben Sie studiert und was hat Sie dazu bewegt, ein Jura-Studium anzufangen?

Ich habe mein Jura-Studium in Erlangen vor allem deswegen begonnen, weil ich im Leistungskurs Wirtschaft und Recht durch einen wirklich guten Lehrer bereits erste, kleine Berührungspunkte mit der Ausgestaltung unserer Rechtsordnung und dem Lösen von Rechtsfällen sammeln durfte. Da dachte ich mir: Das kann ich ganz gut, das sollte ich vielleicht beruflich machen.

Sie waren seit 2020 bis vor kurzem Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth. Gab es während des Studiums oder Referendariats einen Moment, in dem Sie wussten: „Ich will Richter werden“? Haben Sie einen Rat für unsere Studierenden, die mit dem Gedanken spielen, in die Justiz zu gehen?

Also eine Art „Aha-Erlebnis“ kann ich da nicht beschreiben. Ich glaube, es ist eher die Begeisterung gewesen, im Gerichtssaal zu agieren, mit verschiedenen Prozessbeteiligten zu interagieren. Insoweit lässt sich natürlich die Station bei der Staatsanwaltschaft im Rahmen des Referendariats als besonders prägend ausmachen.

Einen Rat zu geben, ist immer schwierig, weil jeder Mensch in seiner Herangehensweise und Entwicklung unterschiedlich ist. Für eine Laufbahn in der Justiz ist zunächst die Note, vor allem die im Zweiten Examen, ausschlaggebend. Davon abgesehen aber habe ich generell das Gefühl, dass wir Juristen zum Teil etwas verkopft agieren. Das Grundstudium, der Schwerpunktbereich und die Stationen im Referendariat bieten so viele Gelegenheiten, Wissen, Einblicke und Eindrücke zu sammeln. Wer empathisch mit Menschen umgeht, Herausforderungen offen angeht und das mit Engagement, Disziplin und Fleiß kombiniert, kann in der Justiz ein erfüllendes Berufsleben finden.

Zu Ihren Aufgaben gehörte auch Pressearbeit: Sie waren nämlich stellvertretender Leiter der Justizpressestelle beim Oberlandesgericht Nürnberg. Wie sah Ihre Arbeit dort konkret aus? Was sind die Herausforderungen bei der Vermittlung juristischer Inhalte an die Öffentlichkeit oder Medien?

Eine aktive Medienarbeit der Staatsanwaltschaften und Gerichte ist eine große Chance, durch Transparenz und eigenes Erklären Vertrauen zu gewinnen. Sie muss jedoch stets sachlich und neutral sein und den Grundrechten aller Beteiligten Rechnung tragen. Eine klug gewählte Kommunikationsstrategie hilft, Missverständnissen vorzubeugen und hartnäckigen Vorurteilen entgegenzuwirken. Zu meiner konkreten Tätigkeit gehörten etwa das Erstellen von Pressemitteilungen und die Beantwortung von Presseanfragen, aber ebenso Radio- und Fernsehinterviews.

Vor Ihrer Tätigkeit als Richter waren Sie fünf Jahre bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth (Zuständigkeiten u. a. für allg. Strafrecht, Kapitaldelikte, Jugendkriminalität, häusliche Gewalt, unerlaubtes Glücksspiel, Intensivtäter Gewalt und Sport, Gewalt gegen Polizeibeamte). Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise eines Staatsanwalts von der eines Richters?

Die Staatsanwaltschaft als Herrin des Ermittlungsverfahrens ist in einem sehr frühen Stadium vor allem dafür verantwortlich, gemeinsam mit der Polizei einen vorhandenen Tatverdacht zu erhärten oder zu widerlegen und eine strukturierte Akte zusammenzustellen. Das Gericht übernimmt dann die Verfahrenshoheit im Zwischen- und Hauptverfahren, hat eine faire und zugleich zügige (Stichwort Beschleunigungsgebot) öffentliche Hauptverhandlung durchzuführen und muss am Ende bei der Entscheidung über Schuld und Unschuld eine Überzeugung gewonnen haben, die – so der BGH – „vernünftige Zweifel nicht aufkommen lässt“.

Parallel zu Ihrem beruflichen Werdegang haben Sie promoviert und anschließend habilitiert. Was hat Sie ursprünglich zur wissenschaftlichen Arbeit motiviert – und was hat Sie dazu bewegt, nun aus der Justiz in die Lehre zu wechseln?

Ich hatte schon immer eine große Begeisterung für die Arbeit im Detail, das Hinterfragen von Antworten und das Vermitteln von Wissen in einer Weise, dass die (freiwillig oder unfreiwillig) Zuhörenden es als Gewinn empfinden. Parallel zu meiner praktischen Tätigkeit habe ich daher von Anfang an meine Erkenntnisse teilen wollen. Ich durfte in den letzten Jahren als Staatsanwalt und Strafrichter, Güterichter und Pressesprecher wirken und hatte dabei stets ein spannendes Referat. Gleichzeitig ist es mir ein wesentliches, vielleicht sogar noch größeres Anliegen, den wissenschaftlichen Diskurs zu bereichern und den Studierenden Freude am juristischen Argumentieren und Diskutieren zu vermitteln.

Kurz gefragt, kurz geantwortet:

Auto, Fahrrad oder Öffis?

Je nach Zeit, Bedarf und Verfügbarkeit.

Roman oder Netflix-Serie?

Beides.

Kochen oder kochen lassen?

Bei genügend Zeit gerne kochen.

Bier oder Wein?

Wenn dann Bier.

Habersack oder Beck-Ausgaben?

Zu Studienzeiten zunächst Letzteres, zwischenzeitlich nur noch online.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Kulhanek für das Interview!

Verfasst von VCL