FORSCHUNG

FORSCHUNGSKONZEPT DER PROFESSUR

Förderung des interdisziplinären und internationalen Austauschs

Die Zeiten, in denen wissenschaftliche Forschung allein als eine Sache egozentrischer Reflexion einzelner „Wissenschaftsheroen“ angesehen wurde, sind vorüber. Wer heute Wissenschaft betreibt, ist auf den Austausch mit anderen angewiesen, mit den vielen anderen Expertinnen und Experten jenseits des eigenen Büros, des Institutsflures, der Fakultät, der Universität. Hinzu kommt, dass der deutsche Wissenschaftsbetrieb längst internationalisiert und Teil einer nationenübergreifenden, globalen Wissenschaftsgemeinschaft ist. Der Lehrstuhl tritt ein für eine Förderung des interdisziplinären und internationalen Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen aus nah und fern.

FORSCHUNGSAKTIVITÄTEN DER PROFESSUR

Die Forschungsaktivitäten der Professur umfassen die gesamte Bandbreite des materiellen und prozessualen Strafrechts einschließlich ihrer grundlagenbezogenen (historischen, philosophischen) und interdisziplinären Bezüge. Einen besonderen Forschungsschwerpunkt bilden die strafrechtlichen Herausforderungen einer modernen globalen und vernetzten Industriegesellschaft.

Aktuelle profilbildende Forschungsschwerpunkte

  • Strafjustiz und „68er“ (Veröffentlichung zum Frankfurter Kaufhausbrandstifterprozess von 1968 in der Festschrift für Reinhard Merkel bei Duncker & Humblot, 2020)
  • Korruption im Gesundheitswesen (Veröffentlichung zu den Strafbarkeitsrisiken im Umgang mit sog. Patienten-Support-Programmen in der medstra. Zeitschrift für Medizinstrafrecht, 1/2020, S. 11–17)
  • Strafrecht und Interkulturalität (Veröffentlichung zu einem historischen Kriminalfall aus Chile in der Gedächtnisschrift für Joachim Hruschka bei Duncker & Humblot, 2019)
  • Medienstrafrecht und verbotene Inhalte (Kommentierung des Pornografiestrafrechts (§§ 184–184d StGB) und der Propaganda- und Verunglimpfungsdelikte (§§ 86, 86a, 90-90b StGB) in der Neuauflage des Anwaltkommentars bei C.F. Müller, 3. Aufl. 2020)
  • Strafrecht und Faschismus (englischsprachiges Publikationsprojekt zur Strafrechtswissenschaft im Faschismus im Rahmen eines rechtsvergleichenden deutsch-japanischen Forschungsprojekts, 2019 ff.)
  • Medizinstrafrecht und Zeitgeschichte (Publikationsprojekt zu den Frankfurter „NS-Euthanasie“-Prozessen in einem Sammelband bei Nomos, 2019 ff.)
  • Fritz Bauer und die Strafrechtsreform (Publikationsprojekt in einem Sammelband des Frankfurter Fritz Bauer Instituts zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, 2018 ff.)
  • Strafrecht und Revolution (Publikationsprojekt über Gustav Radbruchs Ideen für ein postrevolutionäres Strafrecht in einem Sammelband bei Mohr, 2018 ff.)
  • Strafrechtliches Risikomanagement im Zuliefernetzwerk (Forschungsprojekt zur Strafbarkeit der neutralen Beihilfe in arbeitsteiligen Lieferbeziehungen (gemeinsam mit Matthias Jahn, 2018 ff.)
  • Institutionengeschichte interdisziplinärer und internationaler Strafrechtsforschung (Publikationsprojekt zur Gründungsgeschichte des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg i.Br.; Teil des Forschungsprogramms „Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft [1948-2002]“ der Max-Planck-Gesellschaft, 2017 ff.)

Internationale Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR)

Ein Forum für den interdisziplinären und internationalen Austausch auf dem Gebiet der Juristischen Grundlagenforschung ist die Internationale Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR). Die IVR ist die älteste, größte und bedeutendste Vereinigung im Bereich der Rechts- und Sozialphilosophie. Sie wurde 1909 unter den Namen „Internationale Vereinigung für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie“ in Berlin gegründet. Gründungsvorsitzende waren Josef Kohler, Fritz Berolzheimer und Carl Fürstenberg. Gründungspatron war der Unternehmer und Sozialpolitiker Wilhelm Merton. Heute zählt die IVR über 40 nationale Mitgliedsverbände mit mehr als 2000 Mitgliedern auf der ganzen Welt. Die Gesamtvereinigung ist ein eingetragener Verein deutschen Rechts mit Sitz in Wiesbaden. Ihr Zweck ist gemäß Satzung die Pflege und Förderung der Rechts- und Sozialphilosophie auf nationaler und internationaler Ebene ohne Ausschluss einer wissenschaftlichen Richtung. Zur Erfüllung dieses Zwecks führt die Vereinigung alle zwei Jahre Weltkongresse durch. Wissenschaftliches Organ der IVR ist die bereits im Jahre 1907 von Josef Kohler und Fritz Berolzheimer gegründete internationale Zeitschrift „Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie“ (ARSP). Unter den nationalen Mitgliedsverbänden der IVR nimmt die Deutsche Sektion einen führenden Platz ein. Die seit Anfang der 60er Jahre bestehenden Sektionen der BRD und DDR haben sich 1990 zusammengeschlossen. Die deutsche Sektion der IVR hat derzeit fast 400 Mitglieder, die auch gleichzeitig Mitglieder der Gesamtvereinigung sind. Die deutsche Sektion der IVR ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein zur Förderung der Wissenschaft.

Anfang der 1990er Jahre wurde aus der IVR heraus das Junge Forum Rechtsphilosophie (JFR) gegründet, die sich zu „der“ Nachwuchsinitiative junger deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Rechts- und Sozialphilosophie, Rechtstheorie und Rechtssoziologie entwickelt hat.

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