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Drittmittelprojekt: RadigZ - Radikalisierung im digitalen Zeitalter

Drittmittelprojekt: RadigZ - Radikalisierung im digitalen Zeitalter

Projekt zur Erhebung und Auswertung der Präventionslandschaft staatlich geförderter Projekte zu Rechtsextremismus und Islamismus

Projektdaten

  • Laufzeit: 02/2017 bis 02/2020
  • Förderinstitution: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Mitarbeitende: Prof. Dr. jur. Bernd-Dieter Meier, Katharina Leimbach, Asbjørn Mathiesen
  • Website: https://radigz.de/

Das Projekt: RadigZ

Die Prävention von Radikalisierung und einstellungsbezogener, politisch oder religiös motivierter Gewalt stellt für Theorie und Praxis eine besondere Herausforderung dar. Rassistische, fremdenfeindliche und andere menschenverachtende Straftaten entwickeln sich aus verfestigten Grundhaltungen gegenüber Gruppen oder auch Institutionen. Selbst wenn diese inneren Überzeugungen nicht unveränderlich sind, bleiben sie doch über einen längeren Zeitraum stabil. Allein mit Strafe lässt sich einstellungsbezogenen Radikalisierungsprozessen nur schwer gegensteuern. Die verhaltensbeeinflussende Wirkung von Strafe setzt ein gewisses Unrechtsbewusstsein oder zumindest die Furcht vor den Folgen voraus; beides ist im Zusammenhang mit einstellungsbezogener Gewalt nur gering ausgeprägt, wenn die Täter von der Legitimität und moralischen Berechtigung, vielleicht sogar von der moralischen Notwendigkeit ihres Handelns überzeugt sind. Bemühungen um die Prävention von Radikalisierung und extremistischer Gewalt müssen deshalb auch die zugrundeliegenden Einstellungen in den Blick nehmen und sich insoweit auf Aufweichungen und Veränderungen fokussieren. Aber auch die weiteren mit Kriminalität und Gewalt zusammenhängenden Risikofaktoren müssen adressiert werden, wenn die entsprechenden Präventionsmaßnahmen nachhaltig sein sollen. Dies gilt insbesondere für den Einfluss des Internets, dem in der kriminalpolitischen Diskussion für die Radikalisierung häufig eine maßgebliche Bedeutung beigemessen wird. Ob und wie diesen theoretischen Einsichten in der gegenwärtigen Präventionspraxis Rechnung getragen wird und welche Erfolge damit erzielt werden, darüber ist in der Wissenschaft jedoch bislang nur wenig bekannt. Bei einem Blick auf die Präventionspraxis herrscht vielmehr der Eindruck vor, dass die Bereitschaft zur Entwicklung neuer Ansätze zum Umgang mit Radikalisierung und Gewalt zwar groß, die empirische Fundierung der Projekte meist aber nur dürftig ist. An diesem Punkt setzt das Teilvorhaben „Bestandsaufnahme und Analyse bestehender Präventionsprojekte“ an.

Forschungsziele

In dem Forschungsprojekt „Bestandsaufnahme und Analyse bestehender Präventionsprojekte“, das ein Teilprojekt des Forschungsverbunds "Radikalisierung im digitalen Zeitalter (RadigZ) ist, soll die Präventionslandschaft staatlich geförderter Projekte zu Rechtsextremismus und Islamismus erhoben und ausgewertet werden. Das Projekt lässt sich in vier unterschiedliche Teilziele differenzieren:

  • Systematische Bestandsaufnahme von Maßnahmen und Projekten zur Prävention von Radikalisierungsprozessen und Gewalt
  • Analyse des Umgangs mit den Besonderheiten des Internets in den Projekten
  • Einschätzungen zur Wirksamkeit einzelner Maßnahmen
  • Handlungsempfehlungen für die Praxis

Methoden

Zur Erreichung der formulierten Ziele kommen verschiedene Methoden aus der quantitativen und qualitativen Sozialforschung zum Einsatz.
Im quantitativen Part des Projektes werden zunächst alle bestehenden Präventionsprojekte in Deutschland quantitativ erfasst. Im nächsten Schritt soll durch Fragebögen erhoben werden, wie die Projekte beschaffen sind und welche Ziele sie verfolgen. Hierzu werden ergänzend die Projektkonzeptionen der Präventionsprojekte ausgewertet. Zur Einschätzung der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen soll untersucht werden, ob und ggf. welche Veränderungen sich bei den Projektteilnehmer*innen als Folge der Teilnahme an den zuvor erhobenen Maßnahmen und Projekten nachweisen lassen. Hierfür sollen die Legalbewährungsdaten der Teilnehmer*innen als Kriterium für eine erfolgreiche oder nicht erfolgreiche Teilnahme an den Maßnahmen herangezogen werden.
Der qualitative Part soll den quantitativen Hauptteil des Projektes um Interviewdaten ergänzen. Hierzu werden zunächst 25-30 Experteninterviews mit Vertreter*innen aus Präventionsprojekten, Sicherheitsbehörden und der Wissenschaft geführt. Bei den Experteninterviews handelt es sich um offene Leitfadeninterviews. Ergänzend zu den Legalbewährungsdaten sollen 20-25 Interviews mit Projektteilnehmer*innen geführt werden. Hierbei handelt es sich um problemzentrierte, narrative Interviews, die neben dem Radikalisierungsprozess auch die subjektiven Erfahrungen, Wahrnehmungen und Reflexionen über die eigene Projektteilnahme thematisieren.

Publikationen

Author: YG