Lars Breitmeier war mit einem Notendurchschnitt von 14,44 Punkten im ersten Examen unter den drei besten Absolvent*innen des Jahrgangs 2025 unserer Fakultät. Wir haben versucht, sein Erfolgsrezept für ein herausragendes Examen herauszufinden, und ihn dafür interviewt.
Was war im ersten Semester Ihr Lieblingsfach?
Von den rechtsdogmatischen Fächern war "Grundrechte" mein liebstes Fach. An sich haben mir aber die Grundlagenfächer (Rechtsphilosophie, Rechtsgeschichte) am Anfang die meiste Freude bereitet.
Welchen Schwerpunkt haben Sie gewählt? Haben Sie ihn vor oder nach dem staatlichen Teil absolviert?
Ich habe den Schwerpunktbereich 2 (Arbeits- und Sozialrecht) gewählt, weil er mir als perfekte Möglichkeit vorkam, sowohl vorhandenes Wissen stark zu vertiefen (Arbeitsrecht) als auch ein völlig unbekanntes Rechtsgebiet neu kennenzulernen (Sozialrecht). Ferner weist der Schwerpunkt sowohl zivilrechtliche als auch öffentlich-rechtliche Elemente auf, gestaltet sich also als besonders vielfältig. Zuletzt hat die geltende Arbeits- und Sozialordnung natürlich eine immense Bedeutung für das Wirtschaftsleben in Deutschland und den Alltag beinahe jedes Menschen, sodass auch die enorme Praxisrelevanz für diesen Schwerpunkt spricht.
Den staatlichen Teil habe ich vor dem Schwerpunkt absolviert, was ich jedem Studierenden klar empfehlen kann. Das Wissen aus dem Pflichtfachteil bringt deutliche Vorteile im Schwerpunktstudium, während das im Schwerpunkt erworbene Spezialwissen in der staatlichen Examensprüfung kaum Relevanz aufweist. Außerdem bildet der doch recht entspannte Schwerpunkt eine verdiente Erholung vom Examensstress.
Wie sah Ihre Examensvorbereitung aus und wie lange hat sie gedauert?
Ich habe mich zur Examensvorbereitung zunächst bei einem kommerziellen Repetitorium angemeldet, bin dann aber sehr schnell zum HannES-Repetitorium gewechselt. Letzteres kann ich jedermann nur ausdrücklich ans Herz legen, da man sich so nicht nur die erheblichen Gebühren eines kommerziellen Anbieters spart, sondern meines Erachtens auch eine qualitativ bessere Examensvorbereitung erhält. Nach einem Jahr Repetitorium habe ich mich auf meine Klausuren noch einige Zeit selbstständig vorbereitet, und zwar (da ich abgeschichtet habe) je Durchgang drei Monate. Insgesamt habe ich mich also ca. 18 Monate auf die Examensklausuren vorbereitet. Hinzu kamen anschließend noch in etwa zwei Monate Vorbereitung auf die mündliche Prüfung.
Ergänzend zum Repetitorium habe ich zu jedem Rechtsgebiet ein Lehrbuch durchgearbeitet, mir Karteikarten für Definitionen und Schemata erstellt, die besagten Karteikarten regelmäßig auf Spaziergängen wiederholt, wöchentlich ca. 90 - 120 Minuten an einer Lerngruppe teilgenommen, für den Aktualitätsbezug regelmäßig die JuS gelesen und Jura-Podcasts gehört sowie wöchentlich Klausuren geschrieben.
Wie viele Probeklausuren haben Sie ungefähr geschrieben?
Ich habe im HannES-Klausurenkurs genau 84 Probeklausuren geschrieben. Der dort erzielte Durchschnitt lag interessanterweise auch verblüffend nah an meinem Klausurendurchschnitt im Examen; die Abweichung betrug nur einen Punkt.
Gab es etwas, das Sie als Ausgleich zum intensiven Lernen in der Vorbereitungsphase auf das Examen gemacht haben?
Ich habe viel Sport getrieben und natürlich auch noch Zeit mit Freunden verbracht, um auf andere Gedanken zu kommen. Außerdem bin ich während des Repetitoriums eine Woche in den Urlaub gefahren. Generell hat es mir geholfen, jeden Tag eine feste Struktur zu haben und vergleichsweise früh mit dem Lernen aufzuhören. Regelmäßig habe ich bereits um 16:00 Uhr aufgehört zu lernen und mich danach mit anderen Dingen beschäftigt; nach 18:00 Uhr habe ich fast nie weiter gelernt.
Außerdem ist es nach meiner subjektiven Erfahrung sowohl erholsamer als auch für das Lernen effektiver, sich in der Wochenplanung keinen Tag vollständig frei zu nehmen, sondern stattdessen mehrere freie Nachmittage einzubauen. Auf diese Weise konnte ich vormittags - zu meiner produktivsten Zeit - jeden Tag lernen und habe im Gegenzug an mehreren Nachmittagen die Woche - in denen ich i.d.R. ohnehin deutlich unkonzentrierter war - Freizeitaktivitäten unternommen.
Welchen Rat oder welche Empfehlungen möchten Sie Studierenden für die Examensvorbereitung auf den Weg geben?
Guckt euch unbedingt frühzeitig vor der Examensvorbereitung sowohl kommerzielle Anbieter als auch den HannES-Kurs an, am besten auch bei verschiedenen Dozenten. Hätte ich das so gemacht, und nicht erst im Nachhinein festgestellt, dass der HannES-Kurs nach meinem Dafürhalten deutlich besser auf das Examen vorbereitet, wären mir zwei volle Monatsgebühren für ein kommerzielles Repetitorium erspart geblieben.
Außerdem möchte ich eine Lanze brechen für das leider nur spärlich besuchte Mündliche Examenstraining im HannES-Repetitorium. Dort wird man gezielt auf die mündliche Prüfung vorbereitet, was zumindest mir massiv geholfen hat. Schließlich macht die Mündliche zwar einen erheblichen Teil der Gesamtnote aus, im regulären Studium fokussiert man sich aber beinahe ausschließlich auf das Klausurenschreiben.
Zuletzt kann ich in lebenspraktischer Hinsicht nur raten (auch wenn es natürlich leichter gesagt als getan ist), sich selbst nicht zu viel Druck wegen des Examens zu machen. Natürlich muss man in der Examensvorbereitung fokussiert arbeiten, hierbei darf man aber nicht vergessen, dass viele andere Dinge (Freunde, Familie, Gesundheit etc.) für ein erfülltes Leben von weitaus größerer Bedeutung sind als ein bestandenes Examen oder gar ein Prädikat. Hier kann meines Erachtens u.a. die Beschäftigung mit der antiken Philosophie der Stoa helfen, um Stress, Ängsten und Frustration (die in der Examensvorbereitung wohl jeden begleiten) wirksam zu begegnen.
Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Was sind Ihre Pläne?
Seit September arbeite ich am Lehrstuhl von Prof. Dr. Schwarze als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schreibe dort eine Doktorarbeit im kollektiven Arbeitsrecht.
Kurz gefragt, kurz geantwortet:
Contine oder Hauptmensa?
Contine
NJW oder JA?
JuS
Bib oder zuhause?
Zuhause
Cocktails oder Bier?
Bier
Habersack oder Beck-Ausgabe?
Beck-Ausgaben
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Lars Breitmeier für das Interview!