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Verwaltung in Hannover in der Praxis: Rückblick auf die Exkursion ins Ihme-Zentrum

Verwaltung in Hannover in der Praxis: Rückblick auf die Exkursion ins Ihme-Zentrum

© Juristische Fakultät Hannover

Am 14. und 21. April 2026 fand im Rahmen der Veranstaltung „Verwaltung in Hannover“ jeweils eine Exkursion in das Ihme-Zentrum und das Rathaus der Stadt Hannover statt. 

Den Beginn der Exkursionen machte der Besuch des Ihme-Zentrums am 14. April, bei der der Architekt und langjährige Ihme-Zentrum-Aktivist Herr Gerd Runge die Teilnehmer durch den Gebäudekomplex führte. Vom südlichen Ende am Schwarzen Bären aus ging es dabei entlang der Ihme – nach einem kurzen Abstecher aufs andere Ufer, bei dem er von der Genese des Komplexes zu berichten wusste – zunächst in das Erdgeschoss. Dieses diente früher als Versorgungsetage für das darüber gelegene Einkaufszentrum. Durch die verwinkelten Gänge gelangte die Gruppe weiter in den sich zwischen den Gebäudeteilen erstreckenden Innenhof auf der ersten Etage, der ehemaligen Einkaufsmeile. Über diese führte Herr Runge die Gruppe bis zum Nordende des Komplexes, wo sich die Blickachse über den Neubau der Enercity-Zentrale, dem einstigen Hauptmieter des inzwischen leerstehenden Büroturms, in Richtung Innenstadt öffnet. 

Herr Runge ist Architekt und aktives Mitglied der Initiative Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum, die sich für eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums einsetzt und dazu im Jahr 2024 eine Denkschrift mit eigenen Ideen vorlegte. Bei der Führung berichtete er von dem, was er als die Ursünden des Ihme-Zentrums betrachtet, beschrieb die späteren Fehlentscheidungen und skizzierte vor allem auch mögliche Lösungsansätze. Stadtplanerisch betrachtet läge das Problem in der sehr hohen Verdichtung und dem Wunsch, im ersten Obergeschoss Einzelhandel betreiben zu wollen. Die Lage zwischen Innenstadt und Limmerstraße begründe zudem eine Konkurrenz, gegen die auch die späteren Investoren, soweit sie es überhaupt versucht hätten, nicht mehr angekommen seien. 

Rechtlich ist eine Revitalisierung zudem komplex, da die Eigentumsstruktur des Ihme-Zentrums aus einer großen und vielen weiteren kleinen Untereigentümergemeinschaften gebildet wird. Die vielen Miteigentümer müssen bzw. besser: müssten dabei ihre unterschiedlichen Interessen als Bewohner, Wohnraumvermieter, Gewerbetreibende und Investoren zusammenbringen. Erschwert wird dieses nötige Zusammenwirken – abgesehen von nachvollziehbar divergierenden Individualinteressen – durch die Tatsache, dass die PIZ-GmbH, die die Mehrheitsanteile an dem Komplex hält, Insolvenz angemeldet hat und das Grundstück mit einer Grundschuld von ca. 290 Mio. € belastet wurde. 

Als Lösungsansatz hat die Zukunftswerkstatt den Einsatz des besonderen Städtebaurechts ins Spiel gebracht, welches der Stadt z.B. durch den Erlass einer Sanierungssatzung weitreichende Befugnisse, aber auch eine gewisse Verantwortung für das Gelingen einer Sanierung verleihen würde. Dieser Vorschlag bildete in der darauffolgenden Woche im Rathaus die Grundlage für die Diskussion mit Herrn Thorsten Warnecke. Herr Warnecke ist Fachbereichsleiter Planen und Stadtentwicklung der Stadt Hannover. Aus seiner Sicht ist die Wirksamkeit des besonderen Städtebaurechts stark mit dem politischen Willen verknüpft, im Fall der Fälle auch bis zum Äußersten, das heißt etwa auch: bis hin zu Enteignungen zu gehen. Die Stadt verfolge zurzeit einen anderen Ansatz, der zwischenzeitlich auch in der Presse bekanntgemacht wurde: Mit einem neuen Bebauungsplan soll das Areal des Ihme-Zentrums als urbanes Gebiet (§ 6a BauNVO) ausgewiesen werden (statt wie bisher als Kerngebiet nach § 7 BauNVO, wobei die Stadt zur Erkenntnis gelangt ist, dass der bisherige Bebauungsplan aus Formgründen unwirksam sei – was für sich schon spannende Rechtsfragen aufwirft, aber dafür ist hier weder Ort noch Zeit). Mit einem urbanen Gebiet solle die Möglichkeit geboten werden, mehr Wohnraum auf dem Gelände zu schaffen, und es solle für Investoren klargestellt werden, dass eine erneute Nutzung als Einkaufszentrum unrealistisch ist. Durch Letzteres soll der Bodenwert und damit die Attraktivität als Spekulationsobjekt gemindert werden. Inzwischen hat sich zu dem Vorgehen auch Oberbürgermeister Belit Onay, der im Herbst zur Wiederwahl steht, in einem Interview geäußert und sich darin dazu bekannt, auch den Einsatz von Baugeboten und Enteignungen im Zweifelsfall in Betracht zu ziehen. 

Die Veranstaltungen haben einen lebhaften Einblick in die Verwaltungspraxis samt ihrer Bedeutung im Spannungsfeld zwischen Zivilgesellschaft, Investoren und Kommunalpolitik geboten.

Die Exkursionen sind Teil der Veranstaltung „Verwaltung in Hannover“ des Schwerpunkts 6, die auch einige Plätze für Interessierte außerhalb des Schwerpunktes bereithält. Informieren Sie sich gerne hinsichtlich noch anstehender Exkursionen über die StudIP-Veranstaltung „Verwaltung in Hannover – Mit Exkursionen in der Landeshauptstadt“ 

Verfasst von Marcel Möwisch. 

Operationsplan Deutschland: Einladung zu Vortrag mit Diskussion am 07. Juli 2026

Am 7. Juli 2026 stellen wir das Konzept der Veranstaltung „Verwaltung in Hannover“ einmal auf den Kopf: Statt den Conti-Campus zu verlassen und eine Verwaltungsbehörde zu besuchen, dürfen wir diesmal Herrn Hauptmann Malte Tautorat bei uns begrüßen. Herr Tautorat wird uns einen Einblick in die mit dem Operationsplan Deutschland verbundenen Herausforderungen für die Verwaltung und damit auch für die dort beschäftigten oder in näherer Zukunft beschäftigten Jurist:innen gewähren. Interessierte sind herzlich eingeladen, teilzunehmen. Mehr erfahren Sie hier

Published by MMM