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Team Hannover im Halbfinale: Erfahrungsbericht über den ELSA Deutschland Moot Court 2026 im Zivilrecht

Team Hannover im Halbfinale: Erfahrungsbericht über den ELSA Deutschland Moot Court 2026 im Zivilrecht

© ELSA-Deutschland e.V.

Von Dezember 2025 bis Ende Mai 2026 fand die nächste Ausgabe des ELSA Deutschland Moot Court (EDMC) im Zivilrecht statt. Initiiert durch den studentischen Verein ELSA-Hannover e.V. nahmen auch Studierende der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover am EDMC teil – einem Wettbewerb, bei dem Studierende in die Rolle von Prozessvertreterinnen und -vertretern schlüpfen und einen fiktiven Rechtsstreit von der Klageschrift bis zur mündlichen Verhandlung selbst gestalten. Der Wettbewerb gliederte sich in einen Lokalentscheid (Dezember bis Januar) und den anschließenden Nationalentscheid (Februar bis Mai). Zu den Studierenden unserer Fakultät gehörten auch Arvid Werhahn und Glen Holtbrügger, die im Folgenden über Ihre Motivation und Erfahrungen berichten:  

„Unsere Motivation zur Teilnahme lag vor allem darin, praxisnahe Einblicke in die anwaltliche Tätigkeit zu gewinnen, erste Erfahrungen im Verfassen von Schriftsätzen zu sammeln und das Verhandeln vor Gericht über die reine Theorie hinaus kennenzulernen.

Der Lokalentscheid: Der Einstieg in unbekanntes Terrain

Die Vorbereitung auf den Lokalentscheid verlief überraschend reibungslos. Da sich der zeitliche Aufwand in Grenzen hielt, ließen sich die Klausuren der Großen Übung und die Schriftsatzphase gut miteinander vereinbaren – auch wenn der ein oder andere Abend länger wurde als geplant. Zunächst mussten wir uns nur in eine einzige Parteirolle einarbeiten: Wir vertraten eine Verbraucherin in einem Rechtsstreit gegen ein Autohaus und verfassten eine Klageschrift. Die ZPO, bis dahin für uns eher stumpfe Theorie aus dem Lehrbuch, musste plötzlich angewendet werden. Je tiefer wir in den Fall eindrangen, desto mehr Spaß machte es, das juristische Wissen realitätsnah anzuwenden und nicht nur ein Gutachten zu schreiben. Nach der Abgabe verfasste unsere Gegenseite eine Klageerwiderung, auf die wir uns dann für die mündliche Verhandlung vorbereiteten. Diese simulierten wir mit dem Team von ELSA-Hannover, das uns auf die mündliche Verhandlung vorbereitete.

Die mündliche Verhandlung war anfangs sehr aufregend und ungewohnt. Die drei Richter – Prof. Dr. Roland Schwarze, RA Dr. Björn Bogner und Dr. Jendrik Wüstenberg, der Alumnus der Fakultät ist – lockerten die Atmosphäre jedoch durch ihre ruhige Verhandlungsführung auf, forderten uns zugleich aber auch mit einigen komplexen juristischen Fragestellungen heraus. Dank einer strukturierten Vorbereitung gelang es uns, flexibel auf die Argumente des gegnerischen Teams einzugehen und auch spontan gestellte Fragen souverän zu beantworten. Als die Jury uns nach einer sorgfältigen Gesamtwürdigung zum besten Team kürte, schickte sie uns damit zum Nationalentscheid in Frankfurt am Main.

Der Nationalentscheid in Frankfurt am Main

Was in Hannover als überschaubares Projekt begonnen hatte, wurde in Frankfurt zu einer echten Belastungsprobe. Der Nationalentscheid fand Ende Mai über mehrere Tage am OLG Frankfurt statt, und schon die Vorbereitung machte deutlich, dass hier eine andere Liga wartete. Sie begann bereits im Februar, und dieses Mal mussten wir uns sowohl auf die Kläger- als auch auf die Beklagtenseite vorbereiten. Nach der Abgabe der Schriftsätze folgten arbeitsintensive Wochen, in denen wir Verhandlungssituationen immer wieder durchspielten: in gemeinsamen Simulationen mit dem Team von ELSA-Hannover ebenso wie in einem Coaching mit einem professionellen Rhetoriktrainer, der uns half, souveräner aufzutreten und auch unter Druck den roten Faden nicht zu verlieren.

Beim Nationalentscheid fließen sowohl die Qualität der Schriftsätze als auch das Auftreten vor Gericht in die Bewertung ein. Letzteres umfasst das einleitende Pleading, die allgemeine Rhetorik während der Verhandlung, die juristische Argumentation sowie das abschließende Schlussplädoyer – jede Phase verlangte eine eigene Art der Vorbereitung und ließ kaum Raum zum Verschnaufen.

Schon der Auftakt machte klar, worauf wir uns eingelassen hatten: Nach unserer Ankunft am Freitag in Frankfurt wurden wir am Abend von ELSA Deutschland zu einem gemeinsamen Dinner empfangen. Bei angeregten Gesprächen bei Tisch lernten wir die anderen 15 Teams sowie die Richterinnen und Richter kennen, die hochkarätig mit Berufsrichtern und Anwälten aus Großkanzleien besetzt waren.

Die Verhandlungen

Am darauffolgenden Tag ging es dann ernst zu: In der Vorrunde traten wir am OLG Frankfurt gegen die Teams der Universitäten Kiel und Frankfurt an. Rund dreieinhalb Stunden Verhandlung, gefühlte 40 Grad unter Anzug und Robe – danach hatten wir die Vorrunde erfolgreich hinter uns gebracht. Die Bekanntgabe der Viertelfinalisten erfolgte im Rahmen einer Abendveranstaltung von RSM Ebner Stolz, bei der die Anspannung im Raum förmlich greifbar war. Zu unserer großen Freude qualifizierten wir uns für das Viertelfinale und trafen dort auf das Team der Universität Berlin.

Da die Verkündung erst gegen Mitternacht stattfand, blieben uns lediglich neun Stunden, um uns auf den bis dahin völlig unbekannten Schriftsatz des Berliner Teams vorzubereiten. Die Nacht war daher entsprechend kurz.

Am nächsten Tag folgte ein hartes, kluges Wortgefecht auf Augenhöhe – und am Ende konnten wir das Viertelfinale tatsächlich für uns entscheiden.

Im Halbfinale trafen wir schließlich auf das Team der Universität Osnabrück. In einer erneut hitzigen, in jeder Hinsicht intensiven Verhandlung lieferten sich beide Teams ein enges Rennen um jedes Argument – am Ende mussten wir uns jedoch knapp geschlagen geben.

Der Wettbewerb endete jedoch nicht am Richterpult, sondern bei geselligem Beisammensein: Die letzte Abendveranstaltung fand in einem traditionellen Frankfurter Lokal statt. Nach dem gemeinsamen Essen ließen wir den Abend – befreit vom Verhandlungsdruck der letzten Tage – gemütlich in einer Bar ausklingen.

Fazit und Ausblick

Neben der wertvollen praktischen Erfahrung sind wir besonders dankbar für die Kontakte und Freundschaften, die auf diesem Weg entstanden sind. Sowohl in Hannover als auch in Frankfurt konnten wir zahlreiche inspirierende Gespräche führen und uns so ein wertvolles Netzwerk für zukünftige Praktika oder den Berufseinstieg aufbauen.

Wir können allen Jurastudierenden nur wärmstens empfehlen, diese Chance zu ergreifen.”

Verfasst von K. Arvid Werhahn & Glen Holtbrügger. 

Über den EDMC

Der EDMC ist einer der größten Moot Courts im Zivilrecht. Seit 1993 findet der EDMC bereits statt und kann damit schon auf eine große Tradition zurückblicken. Der EDMC wird jährlich über drei Runden ausgetragen – Lokalentscheide, Regionalentscheide und Bundesentscheid. Das Finale wird jedes Jahr im Juli vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestritten. Die Finalisten bekommen die einmalige Möglichkeit den Fall vor echten Richtern und Anwälten des BGH zu verhandeln. Mehr erfahren Sie hier

Über ELSA-Hannover e.V.

ELSA steht für „European Law Students’ Association“ und ist die weltgrößte Vereinigung für Jurastudierende. Sie wurde im Jahre 1981 mit dem Ziel, den Dialog unter jungen Europäern zu fördern und einen interkulturellen Austausch zu ermöglichen, gegründet. Unsere Fakultätsgruppe Hannover ist dabei Teil eines Netzwerks von 50.000 Jurastudierenden an über 300 Universitäten in 43 verschiedenen Ländern. Allein in Deutschland sind über 12.000 Jurastudierende bei ELSA aktiv.

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Verfasst von LT