Johannes Wittmeier war mit einem Notendurchschnitt von 13,55 Punkten im ersten Examen unter den drei besten Absolvent*innen des Jahrgangs 2025 unserer Fakultät. Wir haben versucht, sein Erfolgsrezept für ein herausragendes Examen herauszufinden, und ihn dafür interviewt.
Was war im ersten Semester Ihr Lieblingsfach?
BGB I bei Prof. Heinze (mittlerweile Universität zu Köln), wo über den Allgemeinen Teil des BGB hinaus quasi jeder Bereich des Zivilrechts schon einmal behandelt wurde.
Welchen Schwerpunkt haben Sie gewählt? Haben Sie ihn vor oder nach dem staatlichen Teil absolviert?
Ich habe Schwerpunkt 5 – Internationales und Europäisches Recht mit Vertiefung im Internationalen Privatrecht gewählt und nach dem staatlichen Teil absolviert. Dieser Schwerpunkt eignet sich gut, um den Horizont mit juristischen Thematiken weitestgehend jenseits des Pflichtfachstoffes zu erweitern.
Wie sah Ihre Examensvorbereitung aus und wie lange hat sie gedauert?
Zunächst habe ich ein Jahr lang ein kommerzielles Repetitorium besucht. Da ich abschichten konnte, wurde danach je knapp drei Monate intensiv für den zivilrechtlichen und danach den straf-/öffentlich-rechtlichen Klausurenblock gelernt. Mir war das Abschichten wichtig, weil dadurch der Fokus kurz vor den Klausuren viel gezielter auf den einzelnen Rechtsgebieten liegen konnte und das Lernen effektiver wurde. Geholfen hat mir während dieser Zeit nicht zuletzt eine motivierte Lerngruppe, in der neben Fallbesprechungen sämtliche juristische Existenzkrisen der Examensvorbereitung thematisiert werden konnten.
Nach den Klausuren folgte für rund zwei Monate das Wiederholungstraining für die mündliche Prüfung. Insgesamt war ich mit der Examenszeit damit etwas über anderthalb Jahre gut beschäftigt – exklusive Schwerpunkt.
Wie viele Probeklausuren haben Sie ungefähr geschrieben?
Ich habe 53 Probeklausuren geschrieben und ungefähr 10 weitere zumindest skizziert, zunächst beim Repetitor, nach ungefähr der Hälfte der Zeit immer samstagmorgens im HannES-Klausurenkurs, den ich sehr empfehle. Den Examenskandidat*innen kann aus meiner Sicht nur geraten werden, früh – auch ohne Spezialwissen, das für die allermeisten Klausuren eh nicht zwingend notwendig ist – mit dem Klausurenschreiben zu beginnen.
Gab es etwas, das Sie als Ausgleich zum intensiven Lernen in der Vorbereitungsphase auf das Examen gemacht haben?
Einen sportlichen Ausgleich habe ich stets im Formationstanzen gefunden; darüber hinaus hat mich mein Interesse an Verkehrs- und Infrastrukturprojekten regelmäßig an verschiedenste Orte geführt.
Wie hier auch andere schon geschrieben haben, tut es sicher nicht gut, sich in der Examenszeit nur noch mit dem Lernen zu beschäftigen. Vielmehr kann es gerade nach (zeitlich abgesteckten) Lernpausen wieder richtig vorangehen. Erst in den letzten drei Wochen vor den Klausurdurchgängen habe ich mich endgültig "eingegraben" und auch das war tendenziell noch zu früh.
Welchen Rat oder welche Empfehlungen möchten Sie Studierenden für die Examensvorbereitung auf den Weg geben?
Lasst Euch nicht verunsichern, weder von schöngefärbten Instagram-Lern-Accounts, noch von Probeklausurergebnissen, vergangenen Examensdurchgängen, angeblichen Lernzeiten der Kommiliton*innen oder "höchstrelevanten" Tipps vom Repetitor. Mehr als reichlich bemühen kann sich niemand und wie diese Bemühungen aussehen, sollte niemand von außerhalb bestimmen. Vertraut auf Euch selbst und geht den Weg, der Euch am praktikabelsten erscheint.
Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Was sind Ihre Pläne?
Ich bin als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Lüttringhaus beschäftigt und versuche mich seitdem an einer Dissertation im Bereich des Internationalen Produkthaftungsrechts.
Kurz gefragt, kurz geantwortet:
Contine oder Hauptmensa?
Contine
NJW oder JA?
JuS, JA oder auch gerne RÜ, alles aber nur in Maßen und in Ergänzung zum sonstigen Examensprogramm. Kurz vor einem Klausurendurchgang kann sich die Lektüre aktueller Rechtsprechung anbieten.
Bib oder zuhause?
Bib, im steten Platz- und Etagenwechsel. Ein fester Lernplatz wäre mir für die anderthalb Jahre doch zu monoton gewesen.
Cocktails oder Bier?
Hin und wieder ein "Zombie", der schmeckt so, wie sich an manchen Tagen die Examensvorbereitung anfühlt.
Habersack oder Beck-Ausgabe?
Mittlerweile wieder Beck-Ausgaben - der Enthusiasmus des steten Einsortierens beim Habersack ist nach dem Examen schnell verflogen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Johannes Wittmeier für das Interview!