Juristische Fakultät News & Veranstaltungen Neuigkeiten
Tipps für die Examensvorbereitung: Interview mit Spitzenabsolvent Luis Blödorn

Tipps für die Examensvorbereitung: Interview mit Spitzenabsolvent Luis Blödorn

© David B. Erhardt | Juristische Fakultät Hannover

Luis Blödorn war mit einem Notendurchschnitt von 14,54 Punkten im ersten Examen der beste Absolvent des Jahrgangs 2025 unserer Fakultät. Wir haben versucht, sein Erfolgsrezept für ein herausragendes Examen herauszufinden, und ihn dafür interviewt.

Was war im ersten Semester Ihr Lieblingsfach?

Tatsächlich war Verfassungsgeschichte im ersten Semester mein Lieblingsfach. Die Vorlesung hat das damals neue Studium mit meinen Leistungskursen aus der Schule, Politik und Geschichte, und meinem Interesse für Staatsorganisationsrecht verbunden. Das war für mich sehr ansprechend und so ist mir das Fach in guter Erinnerung geblieben.

Welchen Schwerpunkt haben Sie gewählt? Haben Sie ihn vor oder nach dem staatlichen Teil absolviert?

Ich habe den Schwerpunkt 3 gewählt und nach dem staatlichen Teil absolviert. Die Inhalte haben mich interessiert und der Schwerpunkt hat mir die Möglichkeit gegeben, ihn mit meinen Freunden zusammen zu absolvieren. Das war mir persönlich sehr wichtig, nachdem wir coronabedingt nur wenige Präsenzvorlesungen im Grundstudium hatten. Den Schwerpunkt nach dem staatlichen Teil zu absolvieren war eine willkommene Abwechslung und ein angenehmer Abschluss des Studiums ohne den großen Druck aus der Examensvorbereitung.

Wie sah Ihre Examensvorbereitung aus und wie lange hat sie gedauert?

Meine Examensvorbereitung hat insgesamt knapp 2 Jahre gedauert. Ich habe zunächst ein kommerzielles Repetitorium besucht und mich anschließend 6 Monate auf Zivilrecht und 3 Monate auf Straf- und Öffentliches Recht vorbereitet. In dieser Phase der intensiven Vorbereitung habe ich auch die größten Entwicklungsschritte gemacht. Ich kann daher nur empfehlen, sich in Ruhe und im eigenen Tempo durch den Stoff zu arbeiten. Man kann sicherlich darüber streiten, ob 3 Monate zwischen den abgeschichteten Klausuren ausreichen. Es war schon eine sehr harte und kräftezehrende Phase, gleichzeitig war ich so früher durch und hatte vor dem Schwerpunkt zwei Monate mit vollständiger Ruhe, die ich definitiv gebraucht habe.

Wie viele Probeklausuren haben Sie ungefähr geschrieben?

Ich habe etwa 50 Klausuren geschrieben, die meisten im Zivilrecht. Ich bin schon der Überzeugung, dass eine gewisse Klausurpraxis im Staatsexamen wichtig ist und dafür auch Klausuren ausgeschrieben werden sollten. Allerdings sollte aus der Anzahl an geschriebenen Klausuren kein Überbietungswettbewerb werden, sondern jede und jeder sollte selber ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Klausurtraining sinnvoll ist. Eine Klausur pro Woche ist ein sinnvoller Richtwert für die meiste Zeit der Examensvorbereitung. Ich hatte aber beispielsweise mit dem Formulieren und Aufbauen von Klausuren nie Probleme, daher hatte ich ab irgendeinem Punkt das Gefühl, die Zeit sinnvoller mit dem Lernen des Stoffes zu verbringen. Dennoch fand ich es sehr hilfreich, kurz vor den Examensterminen für weitere Klausuren lediglich Lösungsskizzen anzufertigen.

Gab es etwas, das Sie als Ausgleich zum intensiven Lernen in der Vorbereitungsphase auf das Examen gemacht haben? 

Natürlich, denn der Ausgleich zum Lernen ist unentbehrlich, auch wenn er phasenweise zu kurz kommen mag. Ich bin konsequent weiter genau so oft zum Sport gegangen, war häufig spazieren und habe Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Gerade letzteres hat mir viel Kraft gegeben. Ich habe es sehr geschätzt, Freunde aus dem Studium zu haben, mit denen ich mich treffen konnte, ohne über Jura zu sprechen. Außerdem bin ich als Fußballfan sehr gerne ins Stadion gegangen. Das war für mich mein Weg, auf andere Gedanken zu kommen und mich gleichzeitig zu erholen. Hier sollte jede und jeder seine eigene Art von Ausgleich finden.

Welchen Rat oder welche Empfehlungen möchten Sie Studierenden für die Examensvorbereitung auf den Weg geben?

Lernen ist etwas hochindividuelles. Jeder Mensch lernt unterschiedlich und jeder sollte daher versuchen, seinen eigenen Weg zu finden. Nur weil etwas für andere richtig ist, muss es nicht für einen selber passen. Letztlich ist es am wichtigsten, dass man sich wohl und innerlich sicher fühlt und mit dem eigenen Lernstil auch mindestens einige Monate durchhält. Man sollte sich ausprobieren und offen für Tipps anderer sein. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, sich treu zu bleiben und sich nicht in der Stoffmenge, Lerntipps und den etlichen Angeboten von Unterlagen zu verlieren. Am Ende ist es überspitzt gesagt besser, ein Lehrbuch sechs Mal zu lesen als sechs verschiedene Lehrbücher. Der Mensch vergisst zu schnell und erst mit dem Wiederholen festigt sich das Wissen im Kopf.

Daher finde ich es auch vermessen, konkrete Lernmethoden als Heiligtümer darzustellen, ohne die Erfolg nicht möglich wäre. Da ich schon immer sehr theoretisch gelernt habe, habe ich viel Zeit mit Lehrbüchern verbracht, das ist aber ganz sicher nicht für jede Person die richtige Methode. Was ich aber empfehlen kann, ist, sich mit Schlagworten eine Übersicht über typische Probleme und Streitigkeiten in jedem Rechtsgebiet zu erstellen. Das hat mir geholfen, einen Überblick über Rechtsgebiete und ihren Umfang zu gewinnen. Aber wie gesagt: Das muss nicht für alle ein hilfreicher Tipp sein.

Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Was sind Ihre Pläne?

Ich bin seit dem Abschluss meines Examens Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Frau Professorin Seckelmann. Dort arbeite ich zudem an einer Promotion im Verfassungsrecht.

Kurz gefragt, kurz geantwortet:

Contine oder Hauptmensa?

Contine 

NJW oder JA?

Für die Examensvorbereitung weder noch, lieber examensgerecht.de

Bib oder zuhause?

Zuhause

Cocktails oder Bier?

Cocktails

Habersack oder Beck-Ausgabe?

Habersack. Auch wenn es keine Freude war, nach der letzten Examensklausur nach Hause zu kommen und die nächste Ergänzungslieferung im Briefkasten zu finden.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Paul Luis Blödorn für das Interview!

Verfasst von LT