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26 Teams aus zehn Nationen beim 12. Hannover PreMoot

Wer in den Tagen vom 15. bis zum 17. Februar auf dem Gelände des Conti-Campus unterwegs war, dem bot sich ein besonderes Schauspiel: das Foyer der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hatte sich in eine Tagungslounge verwandelt, man traf Scharen von Studierenden in Anzügen und Kostüm und hörte aufgeregtes Flüstern in vielen fremden Sprachen. Als „Parallelwelt“ bezeichnet Änne, Teammitglied der Bucerius Law School, dieses Schauspiel und freut sich, in diesen Tagen Gleichgesinnte zu treffen, die wie sie gerade in dieser „Parallelwelt“ des Willem C. Vis Moot Courts leben. Der Studentenwettbewerb zur internationalen Handelsschiedsgerichtsbarkeit – auch bekannt als „the Olympics of International Trade Law“ – wird jährlich in Wien und Hong Kong unter ca. 3.000 teilnehmenden Studierenden aus aller Welt ausgetragen. In Vorbereitung auf diese mündlichen Finalverhandlungen reisen die Teams zu sogenannten PreMoots, um ihre Pleadings zu perfektionieren, sich von erfahrenen Schiedsrichtern Tipps geben zu lassen und nicht zuletzt um sich mit Teams aus aller Welt auszutauschen. Der Hannover PreMoot ist mittlerweile einer der größten PreMoots Deutschlands und konnte auch in diesem Jahr wieder 26 Teams aus zehn verschiedenen Nationen in Hannover begrüßen.

Auch Paula und Saskia – die als Mitglieder des Teams die Leibniz Universität Hannover vertreten – sind für dieses Semester Teil der Vis-Welt. Die Nervosität ist ihnen anzumerken als sie für das letzte Hearing am Freitagabend den fakultätseigenen Moot Court-Raum betreten. Mit leicht zittrigen Händen legen sie die Fallakte und die Gesetzestexte auf ihrem Tisch bereit und atmen noch einmal tief durch. In den folgenden 1,5 Stunden gilt es, die Schiedsrichter und auch die Coaches, die das Team unter Leitung von Prof. Dr. Christian Wolf zwei Semester lang intensiv betreuen, von sich und seiner Argumentation zu überzeugen. Dazu stehen jedem Teammitglied etwa 15 Minuten Zeit zur Verfügung, in denen sie ihre Argumentation vortragen können, sich aber auch den bohrenden Fragen des Tribunals stellen müssen. In diesem Hearing vertreten Paula und Saskia den Kläger und kämpfen dafür, dass ihr Klient die Schokoladenkuchen, die er geliefert hat, auch bezahlt bekommt. Die beiden Studenten der University of Southern Denmark aus Kopenhagen, die den Beklagten vertreten, sehen das natürlich anders. Und auch sie haben das, was nun folgt, oft genug geübt und ihre Argumente verinnerlicht. Ab dem Moment, in dem der vorsitzende Schiedsrichter die Verhandlung eröffnet, treten die Studierenden als professionelle Anwälte auf – und zwar so, als hätten sie nie etwas anderes gemacht; jegliche Nervosität scheint verflogen. Man begrüßt das Tribunal, trifft das gegnerische Team noch einmal in der Mitte des „Verhandlungssaals“, tauscht Business-Cards aus und reicht sich noch einmal die Hand, bevor es die beiden folgenden Verhandlungsrunden zu gewinnen gilt. Sobald beide Teams ihre Plätze wieder eingenommen haben, eröffnet der vorsitzende Schiedsrichter auch schon die Verhandlung. Es geht los! Ist Mr. Prassad unabhängig genug, dass er objektiv über den Fall entscheiden kann? Oder befindet er sich aufgrund von finanziellen Interessen in einem Konflikt? Können Parteien eine Garantie zur Lieferung nachhaltig produzierter Ware vereinbaren? Oder ist es ausreichen, dass Claimant „best effort“ gezeigt hat? Die beiden Parteien tragen ihre Argumente vor, versuchen die Argumentation des Vorredners aufzugreifen und zu widerlegen und beantworten die Fragen des Tribunals. Das Tribunal, bestehend aus drei Schiedsrichtern, hört gespannt zu, um im Folgenden die einzelnen Redner mit Punkten bewerten zu können. Ein Blick auf die Bewertungsbögen zeigt, dass es eine gute Verhandlung gewesen sein muss. Paula und Saskia kennen zu diesem Zeitpunkt zwar ihre Punkte nicht, mit dem Ergebnis von über 90 Punkten von 100 wären sie aber wohl sehr glücklich, und schon gut auf Hong Kong und Wien vorbereitet.

Während ihre Kolleginnen im Moot Court Raum um Recht und Gerechtigkeit für den Klienten kämpfen, kümmern sich Alicia, Hanna und Isabell als Rest des Hannoveraner Teams gemeinsam mit vielen Ehemaligen, die weiterhin gerne helfen, um die Vorbereitungen für das abendliche Barbecue in der Hanomacke. „Es ist der Spagat zwischen total professionellem Auftreten als Wirtschaftsanwalt über Millionen streitend einerseits, und der sozialen Interaktion mit den anderen Teams am Abend andererseits, die die Teilnahme am Vis Moot Court so spannend machend“, erklärt Hanna. „Und natürlich, dass wir am Ende die Universität in Hong Kong und Wien vertreten dürfen“ ergänzt Isabell schon voller Reisevorfreude. Anders als beim European Law Moot Court und dem Jessup Moot Court, ist es beim Willem C. Vis Moot Court jedem Team ohne Vorentscheid erlaubt ist, zu den finalen Wettbewerben zu fahren. Daher dürfen sich alle teilnehmenden Teams auch heute Abend schon in Reisevorfreude schwelgen und sich auf die kommende gemeinsame Zeit während der Feierlichkeiten und des Rahmenprogramms während der Finalrunden freuen. Nachdem also die juristische Arbeit des heutigen Tages geschafft ist, stärken sich die Teilnehmer am Abend bei einem üppigen Barbecue, bevor die Tanzfläche eröffnet wird. Bei der ausgelassenen Stimmung kann sich sogar der ein oder andere, der vorher noch als Schiedsrichter bohrende Frage gestellt hat, einem Tanz nicht verwehren.

Besonders stolz sind die Organisatoren darauf, dass trotz der Notwendigkeit eigener Unterstützung, die Getränke in der Hanomacke von Weitblick e.V. verkauft werden können, und der Hannover PreMoot so einen guten Zweck unterstützen kann.

Kurz nach 23 Uhr steht dann das gesamte Hannoveraner PreMoot-Team in der Hanomacke und singt Angels von Robbie Williams, als hätte es den Wettbewerb soeben gewonnen. Schnell mischen sich andere Teams dazu und man erlebt gemeinsam den Moot-Spirit. Trotz all der Feierlaune, sind nur wenige Minuten alle Helfer wieder ihrer Aufgabe zugewandt und die Hanomacke wird aufgeräumt und abgebaut. Das gesamte Team weiß, dass es am Samstagmorgen, wie schon am Freitagmorgen zuvor, wieder um 7 Uhr in der Universität sein muss, um für die teilnehmenden Teams 400 Brötchen mit Käse, Tomate-Mozzarella und Lachs zu belegen. Frühstück mit Brötchen und Kaffee oder Tee gehört in Hannover beim PreMoot einfach dazu. „Die in liebevoller Handarbeit geschmierten Brötchen tragen einfach zur guten Stimmung bei und zeigen, wie viel Herzblut die Gastgeber in die Veranstaltung legen“, meint Katharina, Teammitglied der Bucerius Law School. Für solch positives Feedback nimmt das PreMoot-Team die Augenringe, die man ihnen nur unschwer absprechen kann, dann auch gerne in Kauf.

Am Samstagabend gegen 18.30 Uhr löst sich die Moot Court-Welt wieder auf – die Tagungslounge ist zum Foyer der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zurückgebaut, das Business-Outfit wird gegen Hoodies getauscht und alle Teams treffen sich mit dem PreMoot-Team auf ein letztes Abschieds-Bier. Der 12. Hannover PreMoot war, wie von allen Gästen erwartet, ein voller Erfolg und wir freuen uns (trotz der Augenringe) schon aufs nächste Jahr!

Verfasst von Alessa Böttcher, Niels Kurth und Luisa Volkhausen.

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