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Interview mit den Autoren des Buches "Jura geht auch anders!"

Zu den Hauptaufgaben der Dozentinnen und Dozenten gehört neben der Lehre auch an unserer Fakultät das Publizieren, wobei es dabei in aller Regel um wissenschaftliche Veröffentlichungen geht.

Zwei Mitarbeiter und Alumni unserer Fakultät haben sich allerdings nun mit dem Jurastudium selbst beschäftigt und ein Buch verfasst, das Jurastudierenden als „Leitfaden für ein erfolgreiches und gelassenes Studium“ dienen soll. „Jura geht auch anders!“ ist kürzlich im C.H. Beck- Verlag erschienen und ab sofort im Handel unter der ISBN 978-3-406-73039-9 für unter 10 € erhältlich. 

Um Ihnen das Buch und die Idee dahinter vorzustellen, haben wir die Autoren Alexander Bleckat (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik (IRI)) und Florian Specht (Lehrbeauftragter der Veranstaltung Legal Tech am Institut für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA)) interviewt:

 

Sie haben beide (bereits zu Studienzeiten) einige wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht, in denen Sie sich vor allem mit praktischen Rechtsfragen beschäftigen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen etwas anderen Blickwinkel einzunehmen und sich mit dem Studium der Rechtswissenschaften zu befassen?

Specht: Mir hat das Studium der Rechtswissenschaften überwiegend großen Spaß gemacht. Die Logik juristischer Argumentation hat etwas Anziehendes. Grundsätzlich bietet die Universität Studierenden viele und tolle Möglichkeiten, auch über das Jurastudium hinaus. Rückblickend haben mir beispielsweise Veranstaltungen aus dem ADVO-Z, aber auch zwei Semester Italienisch am Fremdsprachenzentrum der Uni besonders gefallen.

Aber eben das ist der Punkt: Richtig Spaß hatte ich an zusätzlichen Nebenveranstaltungen. Dagegen wird man durch das starr vorgegebene Hauptstudium nach meinem Gefühl doch sehr getrieben. Unser Studienplan schlägt bereits ab dem 5./6. Semester den Beginn des Schwerpunktstudiums bzw. den Beginn der Examensvorbereitung vor. Schon bald nach dem Beginn des Studiums rast man also von Veranstaltung zu Veranstaltung, arbeitet möglichst schnell alle Scheine ab und fällt hoffentlich durch keine große Übung. Das so durchzuziehen ist mindestens ambitioniert, erfordert viel Kraft und erzeugt viel Druck.

Mit einem so minimierten und streng durchgetakteten Studienablauf verbauen sich viele Studierende schon während der ersten Semester die Leichtigkeit und Freude an ihrem Studium und die Lust auf mehr. Wie soll da überhaupt noch Begeisterung für die Sache aufkommen? Dieser sowieso große Leistungsdruck wird dann noch künstlich dadurch befeuert, dass man sich ständig anhören muss, dass es ohne ein „Vollbefriedigend“ später auf dem Arbeitsmarkt ja nichts wird. Totaler Quatsch, aber den Spruch vom taxifahrenden Juristen hat jeder schonmal gehört.

Wohin das führt kann, man sich anschaulich vor Augen führen, wenn man sich im Internet über das Jurastudium informiert. „Vor dem Examen übergaben wir uns“ erscheint jedenfalls bei mir auf der ersten Seite in der Google-Suche. Jura ist trocken, die Examensnoten überhart und man muss eh nur Auswendiglernen. Das glauben irgendwann sogar die Jurastudierenden selbst.

Ich hatte darauf irgendwann keinen Bock mehr, habe in meinem Studium einen Cut gemacht und darauf geachtet, dass der Spaß im Vordergrund steht. Das hat dazu geführt, dass ich neben dem Studium viele Dinge gestartet habe, die mit Jura eigentlich nichts zu tun hatten. Oftmals kann man sein juristisches Wissen dann aber doch gut gebrauchen und nützlich einfließen lassen. Recht ist überall. Wer versteht, wie es funktioniert und sich interessiert, kann kompetent mit vielen Menschen aus anderen Branchen in Kontakt treten.

Durch diese Erfahrungen habe ich gemerkt, was mir das Studium bringt, wie Recht in der Praxis angewendet werden kann. Am Ende war das mitentscheidend, um das Studium und gerade die anstrengende Examensphase durchzustehen – die gelebte Erfahrung, „wofür“ man es braucht.

Insgesamt fand ich diese Herangehensweise gesund, sie hat mir eine Menge Spaß gemacht. Der Blick über den Tellerrand hinaus hat mir später auch die Stelle als Lehrbeauftragter der Uni, ein Jobangebot einer Großkanzlei und viele spannende Kontakte eingebracht. Das alles übrigens, ohne dass ich dabei auch nur einmal nach meinen Examensnoten gefragt wurde.

Es geht also gut auch ohne „VB“, nur wird das so gut wie nie erzählt. Mit „Jura geht auch anders“ haben die Studierenden das endlich „schwarz auf weiß“. Das findet man in dieser Form in keinem anderen Buch. Und das nicht irgendwo, sondern beim C.H.Beck-Verlag. Ich hoffe, das nimmt bei vielen Druck aus dem Studium.

 

Wie wollen Sie Studierenden helfen und was ist die Zielgruppe Ihres Buches?

Bleckat: Während des Studiums waren wir Erstsemestertutoren an der Leibniz Universität Hannover und haben bereits damals den Studierenden Tipps und Planungsvorschläge für ihr Studium gegeben. Daran hatten wir viel Freude. Das wollten wir weitergeben. Wir dachten, dass man mit einem Buch, in dem wir unsere Tipps und Vorschläge niederschreiben, noch mehr Jurastudierenden helfen kann.

Mit dem Buch soll den Studierenden insbesondere bei der Planung des Jurastudiums und dessen Bewältigung geholfen werden. Dies wird durch Empfehlungen hinsichtlich der Erstellung von Hausarbeiten, Klausuren und der Planung von Studienabschnitten gewährleistet. Daneben bietet das Buch auch Anregungen dafür, wie man im Jurastudium erfolgreich lernen kann und gegen die Stofffülle ankommt.

Die Studierenden der ersten Semester profitieren von dem Buch am meisten, weil sie noch viele Studienleistungen und Studienabschnitte vor sich haben. Aber auch Examenskandidaten oder Jurastudierende im Hauptstudium haben einen Mehrwert durch das Lesen des Buches.

In dem Kapitel des Hauptstudiums nehmen wir z.B. die Sicht des Korrektors hinsichtlich einer Klausurlösung in der Großen Übung ein und geben dabei Hinweise bezüglich der Bewertung einer solchen Klausur. Darüber hinaus zeigen wir anhand von Beispielen vermeidbare Klausurfehler auf.

Ebenso gibt es ein ganzes Kapitel zur Examensvorbereitung, bei dem wir uns insbesondere mit der Examensangst der Kandidaten auseinandersetzen, den Ablauf des Examens darstellen und Tipps zur mündlichen Prüfung geben. Der Fokus liegt dabei auf der Examensangst, weil uns in unserer Studienzeit aufgefallen ist, dass Examenskandidaten sich nie „examensreif“ fühlen und dadurch psychisch - unter ihrer Angst zu versagen - leiden. Diese Angst wollen wir nehmen und den Examenskandidaten ein besseres Gefühl für ihr Examen geben.

 

Sie haben einige Interviews geführt, unter anderem mit dem ehemaligen Vorsitzenden Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs Thomas Fischer oder dem Geschäftsführer der Plattform 123recht.net Michael Friedmann – und diese in Ihrem Buch abgedruckt. Was war Ihre Intention dahinter?

Bleckat: Wir wollten die Studierenden mit Erfahrungen aus und den Denkweisen in der Praxis konfrontieren, damit sie nachvollziehen können, dass die Examensnote alleine nicht vollkommen entscheidend für den späteren Erfolg ist. Es werden auch andere Skills gebraucht. Welche das sind, dazu haben wir Anwälte, Richter und Unternehmer befragt.

Unabhängig davon ist es auch cool zu hören, welche Meinung z.B. der ehemalige Vorsitzende Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs Thomas Fischer zu der Frage hat, was einen guten Juristen ausmacht. Das fand ich persönlich sehr interessant.

Mit den Interviews mit Herrn Friedmann und Herrn Klock wollten wir zeigen, dass Juristen nicht immer den konventionellen Weg einschlagen müssen, sondern sogar mit einer guten Idee im juristischen Bereich ein Unternehmen gründen und somit auch anderweitig erfolgreich sein können.

 

Wenn wir 123recht.net als Beispiel nehmen und kurz bei dem Thema Legal Tech bleiben: Sie haben Legal Tech ein eigenes Kapitel gewidmet. Wie passt das in das Konzept des Buches?

Specht: Ein Buch, das zur Studienplanung beraten möchte und sich dabei nicht mit der Digitalisierung des Rechts beschäftigt, kann den selbst gesetzten Ansprüchen nicht gerecht werden.

Legal Tech ist für die Juristenausbildung unumstößlich, wenn Absolventen ehrlich und qualifiziert auf den späteren Anwaltsberuf vorbereitet werden sollen. Das sieht man bereits daran, dass seit dem letzten Jahr immer mehr Universitäten Legal Tech Veranstaltungen anbieten und ganze Vorlesungsreihen in ihr Studienangebot aufnehmen. Als wir mit dem Buch begonnen haben, war das noch anders. Leider werden solche Initiativen auch heute oft noch allein durch Studierende angetrieben und eingefordert.

Letztlich versuchen wir mit diesem Kapitel, auf einen fundamentalen Wandel innerhalb der Rechtsberatung aufmerksam zu machen, der bisher von zu vielen Studierenden und auch Anwälten verkannt wird. Diesen Wandel hier kurz und knapp herunterzubrechen, wird mir nicht gelingen. Auch unser Buch kann, als Ratgeber für ein ganzes Studium, nur eine erste Heranführung an das Thema sein.

An dieser Stelle aber vielleicht zwei Gedankengänge, über die es sich nachzudenken lohnt:

1. Wenn künftig immer mehr unserer Mandanten in der Digitalisierung unterwegs sind, mit ihr arbeiten und Geld verdienen, wird es auch für uns Juristen zunehmend unvermeidbar, sich mit digitalen Systemen und ihren Funktionsweisen zu beschäftigen. Wenn wir Recht auf Lebenssachverhalte anwenden wollen, kann am Ende überhaupt nur so eine gute Rechtsberatung stattfinden.

2. Für den Beruf des Rechtsanwalts ist jedoch viel elementarer, dass es keine überzeugenden Gründe gibt, warum die Digitalisierung nicht auch den Rechtsmarkt durchdringen sollte. Das hat sie natürlich längst schon getan. Großkanzleien etwa arbeiten bereits seit einigen Jahren mit Legal Tech Lösungen. Software ersetzt zunehmend Tätigkeiten, die heute noch von Anwälten ausgeführt werden. Die Durchsicht von Verträgen, das Erstellen von Texten kann Software aber viel schneller, besser und sicherer als ein Anwalt. Schon um auch in Zukunft wirtschaftlich tätig sein zu können, sollte deshalb jeder (künftige) Anwalt für sich überlegen, auf welche Softwarelösungen er zurückgreifen kann und was eine zunehmende Digitalisierung der juristischen Arbeit für ihn und seine Arbeitsabläufe konkret bedeutet.

Legal Tech wird aber nicht nur die anwaltliche Tätigkeit verändern, sondern vor allem auch die Arbeit mit und für die Mandanten massiv beeinflussen. Einerseits kennen sich Mandanten durch Informationen aus dem Internet selbst viel besser mit ihren Rechtsproblemen aus als noch vor ein paar Jahren. Sie fordern deshalb mehr und sind weniger schnell zufrieden. Andererseits erwarten sie schnelle Prozesse und einen Kundenservice, den sie aus dem übrigen Dienstleistungen des Internets kennen. Bei einem Anwalt warte ich heute mehrere Monate ohne Kommunikation auf einen Schriftsatz, während meine Bestellung bei Amazon teilweise noch am gleichen Tag geliefert wird und ich jederzeit über den aktuellen Stand der Versendung informiert bin – um das kurz anzureißen.

 

Sie haben bereits erwähnt, dass man in Ihrem Buch beispielsweise auch Empfehlungen für die Erstellung von Hausarbeiten und Klausuren findet. Welche praktischen Tipps sind das denn ganz konkret?

Bleckat: Das Buch stellt neben den so genannten No-Go Fehlern in Klausuren, die wir aus der Sicht als Korrektoren kennengelernt haben und die Studierende vermeiden sollten, auch die Golden-Rules der Fallbearbeitung dar, die für einen besseren Erfolg in der Klausur sorgen sollen.

Darüber hinaus gibt es Tipps anhand einer Pro- und Contra-Darstellung zur Examensvorbereitung, zu der Entscheidung, ob der Schwerpunkt vor oder nach dem Pflichtteil absolviert oder ob und welches Repetitorium (ein privates oder ein universitäres Repetitorium wie HannES an unserer Fakultät) gewählt werden sollte.

 

Sie haben beide in Hannover an unserer Fakultät studiert und arbeiten beide nach wie vor hier, Sie kennen also vor allem die Abläufe in Hannover. Manche Dinge laufen an anderen Juristischen Fakultäten jedoch vielleicht etwas anders. Glauben Sie, dass Ihr Buch auch für Jurastudierende außerhalb der Leibniz Universität beispielsweise in ganz Niedersachsen oder sogar über Niedersachsens Grenzen hinaus hilfreich ist?

Specht: Ja, unser Buch kann im ganzen Bundesgebiet als Leitfaden zu Rate gezogen werden. Die Frage spricht aber ein Problem an, an dessen Lösung wir schon ein wenig tüfteln mussten. Die einzelnen Studienordnungen divergieren teilweise doch stark. Gerade was die Möglichkeit zum Abschichten, aber auch die Vertiefung der Kernfächer (Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht) angeht.

Im Kapitel “Hauptstudium” sprechen wir so von einer “Vertiefung” und etwa nicht von der “Großen Übung”, wie wir sie hier in Hannover kennen. Das tut dem Inhalt keinen Abbruch, da es am Ende nicht um die Konzeption des Studiums geht, sondern vielmehr darum, wie man sich das jeweils geforderte Wissen aneignet und mit der Stoffmenge umgeht.

Unser Lektor Herr Dr. Winkler vom C.H. Beck Verlag hat schon genau darauf geachtet, dass unser Buch gegenüber den verschiedenen Studienordnungen offen ist. Nicht nur hier, aber gerade auch in diesem Bereich hat er uns sehr geholfen. Das war eine wertvolle und produktive Zusammenarbeit.

 

Zum Abschluss eine ganz praktische Frage für die Studierenden unserer Fakultät: Findet man Ihr Buch denn in der TIB auf dem Conti-Campus und/oder an einer der Lehrstuhlbibliotheken?

Bleckat: Unser Buch wird sowohl an der Institutsbibliothek des IRI im 8. Stock als auch in der Technischen Informationsbibliothek (TIB) auf dem Conti-Campus verfügbar sein. Man kann sich das Buch in Kürze hier in der TIB vormerken.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Bleckat und Herrn Specht für das Interview. Das Interview führte David B. Erhardt.

Über die Autoren

Florian Specht hat das Studium der Rechtswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover 2017 mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen. Während seines Studiums ist er in einer Kanzlei im Bereich des Bank- und Kapitalmarkts tätig gewesen und hat deren digitale Identität mitaufgebaut. Als Abwechslung zum Jurastudium hat er Italienisch und Segeln gelernt und ein Startup gegründet. Seit dem Wintersemester 2017/18 ist er Dozent an der Leibniz Universität Hannover und leitet dort die Legal Tech Veranstaltung.

Alexander Bleckat hat parallel zu seinem Studium der Rechtswissenschaften in Hannover, das er 2017 ebenfalls mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen hat, als studentischer Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik (IRI) gearbeitet. Ergänzend zum Studium hat er, wie auch Florian Specht das ADVO-Zertifikat für eine anwaltliche Berufsausbildung erworben. Gemeinsam haben beide auch ein Tutorium für Erstsemester geleitet. Im Bereich des IT-Rechts hat Alexander neben dem Studium verschiedene Aufsätze veröffentlicht. Aktuell arbeitet er neben dem Referendariat als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät an der Universität Hannover.