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Tipps für die Examensvorbereitung: Interview mit einem Spitzenabsolventen #1

Tipps für die Examensvorbereitung: Interview mit einem Spitzenabsolventen #1

© Stefan Bohlsen

Stefan Bohlsen war mit einem Notendurchschnitt von 12,68 Punkten im ersten Examen unter den besten drei Absolventen des Absolventenjahrgangs 2019 unserer Fakultät.

Wir haben versucht, sein Erfolgsrezept für ein herausragendes Examen herauszufinden, und ihn dafür interviewt.

Was war im ersten Semester Ihr Lieblingsfach?

Staatsorganisationsrecht.

Welchen Schwerpunkt haben Sie gewählt? Haben Sie ihn vor oder nach dem staatlichen Teil absolviert?

Ich habe den Schwerpunkt 5 (Internationales und Europäisches Recht) mit besonderer Ausrichtung auf das Internationale Privat- und Zivilverfahrensrecht gewählt. Diesen habe ich nach dem staatlichen Teil absolviert, damit das Wissen aus dem Studium für die Examensvorbereitung noch präsent ist. Beide Entscheidungen habe ich nie bereut.

Den Schwerpunkt 5 kann ich wirklich empfehlen. Die Beschäftigung mit dem Europarecht und dem Internationalem Privat- und Zivilverfahrensrecht verspricht einen interessanten Blick über den Tellerrand des nationalen Rechts hinaus und hilft in der Rückschau, auch die eigene Rechtsordnung besser zu begreifen.

Wie sah Ihre Examensvorbereitung aus und wie lange hat sie gedauert?

Ich habe bereits im fünften Semester ein Repetitorium besucht und mir schon früh Examensklausuren angesehen. So richtig intensiv habe ich dann im sechsten Semester losgelegt und während des achten geschrieben.

Ich habe abgeschichtet. Im ersten Termin habe ich fünf Klausuren aus dem Zivilrecht sowie dem Öffentlichen Recht und im zweiten Termin nur noch eine Klausur im Strafrecht geschrieben. So konnte ich das mir unliebsame Rechtsgebiet für weite Teile meiner Examensvorbereitung ausblenden.

Wie viele Probeklausuren haben Sie ungefähr geschrieben?

Etwa 50. Fühlt sich nicht immer sinnvoll an, denn Probeklausuren kosten viel Zeit und nicht aus jeder Besprechung geht man mit einer inhaltlichen Erkenntnis. Daneben deprimieren Korrekturen, die selten die erforderliche Mühe erfahren haben. Die Routine zahlt sich trotzdem aus.

„Nur schnell die Skizze runterschreiben“ kann am Ende der Vorbereitung ebenfalls sinnvoll sein, um Fallkonstellationen zu sichten und Zeit einzusparen.

Gab es etwas, das Sie als Ausgleich zum intensiven Lernen in der Vorbereitungsphase auf das Examen gemacht haben?

Ja, aber zu wenig. Der allgegenwärtige Tipp, sich weiterhin Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu nehmen, ist für mich leichter erteilt als selbst befolgt.

Eine gezielte Examensvorbereitung erfordert sicher viele Entbehrungen. Seit Semester eins wird das Examen dermaßen als Schreckensszenario aufgebauscht, dass ich anfangs dachte, mich für die Vorbereitung zwei Jahre einschließen zu müssen. Das ist nicht nur übertrieben, sondern für den Erfolg im Examen sicher auch nicht zielführend.

Welchen Rat oder welche Empfehlungen möchten Sie Studierenden für die Examensvorbereitung auf den Weg geben?

Zunächst würde ich mir wirklich Gedanken darüber machen, auf welchem Wege man am besten Wissen aufnimmt. Daran würde ich meine Lernaktivitäten ausrichten. Ich persönlich nehme beim Hören und Sprechen viel mit, weshalb ein Repetitorium, Online–Vorlesungen (insb. Podcasts von Prof. Dr. Lorenz von der LMU München) sowie eine Lerngruppe gute Optionen waren. Sicher kommt man nicht darüber hinweg, auch viel zu lesen. Wer seinen persönlichen Weg gefunden hat, sollte sich von vermeintlichen Patentrezepten nicht verunsichern lassen.

Man verklärt mit der Zeit einiges, aber: Schon direkt nach dem Examen war ich der Meinung, dass meine Examensvorbereitung gar nicht so schrecklich war. Das lag vor allem daran, dass ich die gesamte Zeit mit zwei sehr guten Freunden verbringen durfte, die sich ebenfalls auf das Examen vorbereiteten. Durch einen gemeinsamen Tagesrhythmus lief der Lernalltag leicht von der Hand. So etwas lässt sich nicht planen, aber es lohnt sich, nach guten Mitstreitern Ausschau zu halten.

In dieser Interviewreihe oft betont und trotzdem erwähnenswert: Effizienz ist das höchste Gebot. Jeder hat nur eine gewisse Zeit am Tag, während der man sich ernsthaft konzentrieren kann und wirklich dazulernt. Kontraproduktiv ist es, für ein gutes Gewissen länger in der Bib zu bleiben als es die Lernkapazität erlaubt. Am Ende raubt man sich dort Zeit, die man produktiver in Erholung investiert, um am nächsten Morgen wieder richtig loszulegen.

Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Was sind Ihre Pläne?

Ich schreibe eine Doktorarbeit unter der Betreuung von Prof. Dr. Christian Heinze, LL.M. (Cambridge).

Daneben arbeite ich am Lehrstuhl von Prof. Dr. Steinrötter an der Universität in Potsdam und übernehme Lehraufträge an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim.

Kurz gefragt, kurz geantwortet

Contine oder Hauptmensa?

Irrelevant, seitdem auch in der Contine die Portionsgröße der Sättigungsbeilagen beschränkt ist.

NJW oder JA?

Weder noch.

Bib oder zuhause?

Bib

Cocktails oder Bier?

Bier

Schönfelder oder Beck-Ausgaben?

Schönfelder

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Bohlsen für das Interview!

Autor: YG